Werner Pfelling
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6. Kurzgeschichte
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"Ein Bayer
besichtigt die Berliner Mauer"




2 A4 Seiten
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Ein Bayer besichtigt die Berliner Mauer

Alois war ein Urbayer aus dem Allgäu, ausgestattet mit den gängigen Attributen wie Trachtenkleidung, Verzehr von Schweinshaxe, Leberkäs und viel Weißbier. Den Mann störte seit Jahren, dass er für den Osten einen Solidaritätszuschlag zahlen musste, und die Gespräche am Stammtisch wurden gewürzt mit allerhand Kraftausdrücken, wenn man auf diesen politischen Missstand zu sprechen kam. Einmal meinte Alois nach reichlich getrunkener Maß Bier, er wird beim Bayerischen Landtag ein Gesetz anregen, die Berliner Mauer wieder aufzubauen, um in Deutschland die alte Ordnung herzustellen. Dazu schlägt er einen Fonds vor und zahlt 1000 Euro. Auch die anderen Männer wollten sich spontan mit ähnlichen Summen beteiligen.

Alois beschloss, erstmals nach Berlin zu fahren, um sich vor Ort ein Bild zu machen, die Standorte der früheren Mauer zu erkunden. Er mietete ein Hotel im Westteil der Stadt. Als er aus dem Fenster sah, erblickte er den im Ostteil stehenden Fernsehturm, und er sagte sich: "Dort haben’s gehaust, die Kommunisten." Er überlegte, ob er seiner persönlichen Sicherheit zuliebe die ehemalige Grenze überschreiten sollte. Er erkundigte sich an der Hotelrezeption, und man beruhigte ihn: "Fahren sie mal zum Alexanderplatz, dort passiert Ihnen nichts."

Alois bestieg, nachdem er ein gewisses Angstgefühl überwunden hatte, ein Taxi, und der Fahrer zeigte ihm die East Side Gallery an der Mühlenstraße. Die wenigen Reste des Bauwerkes vom 13. August 1961 bestärkten ihn in seiner absurden Idee, die Mauer 155 Kilometer quer durch die Stadt neu entstehen zu lassen. "Sollte man wieder aufbauen", sagte er zum Taxifahrer, aber der winkte ab: "Wozu? Ist doch besser so." Daraufhin mochte Alois das Gespräch nicht mehr fortsetzen. Er besichtigte noch den ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charly und stieg in der Friedrichstraße aus. Hier wunderte er sich über die vielen Geschäfte und Touristen und dachte bei sich: "Hat alles der Westen den Ossis in den Arsch geblasen, wir haben’s bezahlt." Dieser Zorn regte seinen Appetit an, und er verschlang im S-Bahnhof zwei Currywürste, war aber sauer, weil es kein Weißbier gab.

Der Bayer aus dem Allgäu fuhr einige Stationen mit der U-Bahn. Hier zerkratzten gerade zwei Jugendliche eine Fensterscheibe, und er sagte: "Was ist in euch gefahren, lasst´s das bleiben." Daraufhin richtete einer sein Messer auf Alois: "Was ist los, Alter? Wie sprichst du denn, bist du Ausländer?" Zwei Männer griffen ein und meinten: "Haut ab, oder wir rufen die Polizei." Nach diesem Erlebnis packte Alois im Hotel sofort seine Koffer und flog nach München zurück. Wieder im Allgäu am Stammtisch, erzählte er von seinen Erlebnissen. Die Männer schüttelten die Köpfe und bestellten eine neue Runde Weißbier. Alois erklärte: "Die Mauer muss wieder her. Ich schreibe an den Bayerischen Landtag. Kennt ihr einen guten Rechtsanwalt, der den Brief formuliert?"

ENDE


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