Werner Pfelling
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7. Kurzgeschichte
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"Bin ich ein Mörder?"



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Bin ich ein Mörder?

Ich wachte schweißgebadet auf und erinnerte mich an den letzten Satz eines beängstigenden Traums. Ich sagte zum Richter: „Ich bin unschuldig.“ Vielleicht waren die heutigen Gewalttaten im Alltag, die die Medien ausbreiteten, daran Schuld, dass ich öfter ungereimtes Zeug träumte. Ich führte sogar Selbstgespräche, um herauszufinden, ob ich ein Mörder war, bin oder werden wollte. Diese psychische Belastung meiner Person gegen Ende meines Lebens äußerte sich in einem häufigen Angstgefühl. Ich richtete den gesamten Alltag darauf ein, unauffällig zu sein, mich keiner Gefahr auszusetzen, nicht in eine Falle zu tappen, um nicht selbst gewalttätig zu werden.

In meiner Kindheit und Jugend war ich ein braver Schüler mit mittelmäßigen Zensuren und keiner großen Auffassungsgabe. In der Klasse ging es friedlich zu, es gab keine Gewalttaten. Nur einmal schien es mir, dass ich auf der Schultoilette einen Schrei gehört hatte. Ich ging dem Vorfall nicht weiter nach, um nicht in eine schlimme Sache hineingezogen zu werden. Als ich verheiratet war, träumte ich einmal davon, dass ich meinen Sohn im Bett erstickt hatte. Ich wollte mich von solchen Fantasien befreien und nahm an einem Schwimmkurs teil. Einmal sah ich in der U-Bahn, wie zwei Männer eine junge Frau belästigten. Ich kann mich nicht mehr genau an die Einzelheiten erinnern, aber mir ist es heute noch so, als hätte ich die Übeltäter niedergetreten und wäre auf ihren Körpern herumgetrampelt. Das kann nicht stimmen, denn ich bin kein Schläger. Zu dieser Aussage stehe ich.

Mich bedrückt natürlich das Schicksal meines Bruders. Er sitzt im Gefängnis und ich besuche ihn regelmäßig. Wir sprechen dann über verschiedene Dinge, aber nicht darüber, was wirklich vorgefallen war. Ich hatte den Eindruck, dass er stets eine vorbildliche Ehe führte. Er heiratete eine sehr hübsche Frau, beide fuhren oft in den Urlaub. Mein Bruder wünschte sich sehr ein Kind, aber es stellte sich kein Nachwuchs ein. Jedenfalls brachte er seine Frau eines Tages um. Ich kenne die Gründe nicht und will sie auch nicht wissen. Ich frage mich aber, wie kann man einfach zum Mörder werden, ein anderes Leben auslöschen?

Einmal wurde ich von der Polizei verhaftet. Man wollte mir beweisen, dass ich an einem Banküberfall beteiligt war, bei dem ein Angestellter erschossen wurde. Mich zu verdächtigen, war völlig aus der Luft gegriffen. Man wird dann dem Haftrichter vorgeführt und sitzt in Untersuchungshaft. Man konnte mir nichts beweisen. Aber solche Erlebnisse und Erinnerungen verstärkten in mir das schon erwähnte Angstgefühl. Ich bin deshalb heute nicht aus dem Haus gegangen und habe lieber auf den Einkauf verzichtet.

Ich kann im Fernsehen die vielen Krimis nicht sehen. Dort gibt es jedes Mal einen Mord und die Ermittlungen ziehen sich hin bis die Folgesendung beginnen darf. Ich frage mich, wieso auf den Bildschirmen jede Woche mehrere Menschen sterben müssen, warum erschlagen und erschossen wird. Aus diesem Grund gehe ich auch nicht zu Actionfilmen ins Kino, denn dort kann ich die vielen Leichen gar nicht zählen.

Einmal kam es ganz schlimm. Ich fuhr auf der Autobahn und zwei Männer stoppten mich. Ich musste aussteigen und wurde in den Wald geführt. Ich sollte an einen Baum gefesselt werden. Mit letzter Kraft trat ich einem Mann in den Unterleib. Der andere flüchtete, denn er besaß jetzt mein Auto. Meine Aggressionen und der Kampf ums Überleben kannten keine Grenzen und ich verstümmelte den am Boden liegenden Kriminellen. Ich weiß aber nicht, ob diese Geschichte wahr ist.

Ich frage mich immer wieder: Bin ich auch ein Totschläger oder bin ich es nicht? Die Berichte in den Medien über die sich häufende Gewalt in Verkehrsmitteln und auf der Straße haben mich dermaßen verunsichert, dass ich mich am liebsten der Polizei mit der Aussage stellen möchte: Ich war es, ich bin der Mörder.

ENDE


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