Werner Pfelling
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"DDR Es war einmal
Ein Ostjournalist erzählt"


Eine Autobiographie von Werner Pfelling!

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Leseprobe
Kapitel 5: Das schnelle Ende, Der Druck der Nation

Etwa 900 Spielfilme müssen pro Jahr vom DDR-Fernsehen in Berlin-Adlershof gesendet werden, 150 davon werden im eigenen Studio synchronisiert. Die Lage ist ernst, es fallen große Worte wie "die Nation wünscht ...". Damit ist die DDR-Bevölkerung gemeint, die ein gutes Programm sehen will, oder sie schaltet das Westfernsehen ein, was nur im Raum Dresden nicht zu empfangen ist. Insofern sind die Chefs um ihren Arbeitseifer nicht zu beneiden. Die sozialistische Welt bietet kaum Spitzenfilme für 20-Uhr-Plätze, deshalb müssen Hollywood-Filme her, obwohl die alle schon bei ARD und ZDF gelaufen und Lizenzen nicht unbedingt zu erhalten sind. Nur bei "Gandhi" waren die Filmeinkäufer des DDR-Fernsehens schneller am Ball. Filme kosten Geld, einmal greift das Politbüro mit zusätzlich 5 Millionen Mark unter die Arme. Woher die Filmpakete kommen, bleibt etwas im Dunkeln, der Bereichsleiter, ständig in Richtung Westen unterwegs, wird es schon wissen. Die Chefs reisen zu Filmfestspielen nach Cannes und Westberlin, die Mitarbeiter nach Moskau und Karlovy Vary.

Die Redaktion Spielfilm bemüht sich zwar, wertvolle sowjetische Filme und DEFA-Filme unterzubringen, ist bei Filmeinkäufen in sozialistischen Ländern vor Ort. "Krieg und Frieden", "Die Kraniche ziehen" oder "Ein Menschenschicksal" sind für den anspruchsvollen Filmfreund Erlebnisse, genauso wie unsere DEFA-Filme "Ehe im Schatten", "Ich war neunzehn" oder "Solo Sunny". Doch diese Filme sind nicht in jedem Fall massenwirksam. Deshalb muß ständig an der Filmplanung gefeilt werden, auch Heinz Adameck, Chef des Hauses, möchte hohe Einschaltquoten und nicht so viele Frauen mit russischen Kopftüchern auf dem Bildschirm sehen, zur gleichen Zeit schmort in seinem Panzerschrank Hitchcocks Thriller "Die Vögel". Es fehlen "aufregende Filme mit Darstellen, die der Nation etwas sagen". Deshalb finden ständig Leitungsabnahmen von Spielfilmen statt in der Hoffnung auf den Durchbruch. Erste DDR-Computer werden aufgestellt, um den Filmstock zu erfassen. Endlich hat jemand eine gute Idee, die dem Sozialismus nicht schaden kann: "Für das Spätprogramm müssen erotische Filme her."
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