Werner Pfelling
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4. Kurzgeschichte
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"Der Sexprotz"

Ein Mann Ende vierzig hat fünf Frauen
kennen gelernt und will sie sich
pro Woche aufteilen. Das bringt
ihn in allerhand Schwierigkeiten.

28 A4 Seiten
pdf 158 kb

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Der Sexprotz

Wahrscheinlich bin ich der Mann, der in Deutschland die meisten Kondome kauft. Ich bin Ende vierzig, und das beste Mannesalter ist bald vorbei, deshalb will ich den Sex genießen so oft es nur geht. Mir ist es gelungen, in kurzer Zeit fünf Frauen kennen zu lernen, die ich mir pro Woche aufteile. Sie heißen Barbara, Roswitha, Irina, Regina und Katharina - sie enden alle auf den Buchstaben a. Bis zum Buchstaben z werde ich es in meinem Leben wohl nicht mehr schaffen.

Barbara (Nr.1) ist Witwe. Ihr Mann, mein bester Freund, starb bei einem Autounfall, er war wohl selber schuld. Wir hatten beide jemanden verloren, mit dem man Pferde stehlen konnte. Ich war als Single bei dem Ehepaar oft zu Besuch und empfand eine gewisse Verantwortung, Barbara nach dem Tod ihres Mannes nicht einfach fallen zu lassen. Ich wollte mit ihr gemeinsam versuchen, unsere Trauer zu verarbeiten. Aber sie kam über den Verlust ihres Mannes nicht hinweg. Sie trauerte und trauerte und verfiel in Depressionen. Leider hatte sie dazu viel Gelegenheit, denn sie war arbeitslos. An Barbara entdeckt man sofort das Puppengesicht, ansonsten war sie etwas klein geraten.

Ich konnte sie nicht allein lassen und bot ihr an, zu ihr zu ziehen, nur als guter Nachbar, als Wohngemeinschaft, ohne Sex, behielt aber meine eigenen vier Wände. Barbara willigte sofort ein. Ich stellte bald fest, dass sich ihr Zustand trotz meines Einzugs nicht sehr verbesserte. Wir sprachen viel über ihren Mann, meinen besten Freund, wie sie sich kennen gelernt hatten, was sie auf Urlaubsreisen erlebten. Wenn sie in ihr Schlafzimmer ging, saß ich noch allein im Wohnzimmer, und ich bereute fast meinen Einfall, zu ihr gezogen zu sein. Es war schon vierzehn Tage her. Ich klopfte an ihre Tür, denn mein Verlangen war erwacht. Ich sagte ihr, dass ich meine Freiheit brauche, und sie dürfe mir keine Vorwürfe machen, wenn ich abends wegblieb, in meiner Wohnung übernachtete oder ein Verhältnis mit anderen Frauen hätte, wir wären schließlich nicht verheiratet, nur Freunde. An diesem Abend schlief ich, wie konnte das geschehen?, eine plötzliche gegenseitige Hingabe, zum ersten Mal mit der Frau meines besten Freundes, aber sie war nicht ganz bei der Sache. Sie hatte nur einen Wunsch: "Hauptsache, du bleibst."

Am nächsten Abend ging ich zu Roswitha (Nr. 2), eine recht attraktive, hoch gewachsene Frau. Sie trug eine Kurzhaarfrisur, die ihr gut stand, knallrote Haare, wahrscheinlich gefärbt. Ich kannte Roswitha seit acht Wochen. Wir lernten uns in der U-Bahn kennen, wo ich ihr auf die Füße getreten hatte, eher unabsichtlich. Ich fahre selten mit diesem Verkehrsmittel. Ich entschuldigte mich, wir kamen ins Gespräch, trafen uns mehrmals im Café, bis sie mich endlich in ihre Wohnung einlud und ich relativ schnell mit ihr schlafen durfte. Sie schien mir sehr erfahren, denn sie bestimmte die Stellungen, wollte mal diese, mal jene. Und das mehrmals hintereinander, als hätte sie es sich von Pornofilmen abgeschaut. Und ihre Haare waren nicht gefärbt, sondern überall echt. In letzter Zeit hatte ich den Kontakt zu Roswitha wegen anderer Frauenbekanntschaften gemieden, weswegen sie oft abends anrief, und ich musste lange Gespräche mit ihr führen, über das Leben und die Liebe. Sie war geschieden, erwähnte ihren Mann aber nie. Am Telefon spürte ich ihre Einsamkeit. Eine innere Stimme warnte mich vor einem voreiligen Entschluss, denn ich hatte das Gefühl, Roswitha wollte mich, obwohl wir uns kaum kannten, heiraten.

Irina (Nr. 3) hatte ich per Annonce kennen gelernt. Sie war hübsch formuliert, ein bisschen rätselhaft, und ich reagierte. Sie antwortete auch, und als wir uns zum ersten Mal auf einer Parkbank trafen, saß ich in der Klemme. Die Frau sprach mit starkem Akzent. Ich wollte am liebsten fortlaufen, aber meine Potenz hielt mich zurück. Irina war schlank, hatte dunkle Haare und rehbraune Augen. Es stellte sich heraus, dass sie aus Moskau stammte. Ihr Mann, ein ehemaliger DDR-Diplomat, hatte sie verlassen, sie lebten getrennt. Ich fragte sie, wovon sie lebe, und sie deutete so etwas wie Aushilfskraft an, vielleicht war sie Putzfrau. Wir tauschten unsere Telefonnummern aus, obwohl ich mir vornahm, sie nicht anzurufen. Sie meldete sich schon am nächsten Abend und schien mir etwas gehemmt, auch wegen ihrer Sprachschwierigkeiten, und ich wusste nicht so recht, worüber wir uns unterhalten sollten.

Ich ließ sie zappeln, und nach einer Woche lud sie mich endlich zu sich ein. Ihre Wohnung war bescheiden eingerichtet, mit kitschigen Gardinen, ein Samowar auf der Kommode, mehrere silberne Kerzenständer standen herum, ebenso diese dicken Matrjoschkas. Sogar eine Ikone hing an der Wand. Irina setzte mir ein Abendbrot vor, russische Salate und Pelmeni, die mir zumindest vom Namen her aus der Tiefkühltruhe meiner Kaufhalle ein Begriff waren. Als ich die Wodkaflasche sah, machte ich mir große Hoffnungen, dass es heute passieren würde. Aber Irina erzählte zunächst viel von Russland, von den Birkenwäldern um Moskau herum. Sie spielte auf ihrer Hifi-Anlage russische Volkslieder vor. Das war alles neu und ungewohnt für mich, und die Wodkaflasche war schon halb leer. Als wir in aller Ruhe gegessen hatten, ließ sie den Abwasch stehen und ging zum Fenster. Sie wollte den Sonnenuntergang beobachten, das sei wichtiger als Abwasch. Nach einer Weile stellte ich mich hinter sie, aber sie wich mir aus und setzte sich aufs Sofa.

Jetzt erklangen aus ihrer Stereo-Anlage Kirchenglocken. Ich fand die Atmosphäre romantisch, und Irina gefiel mir nach drei Stunden und dem Genuss von Wodka immer mehr. Sie hatte eine natürliche Ausstrahlung, und ich nahm ihre Hand. Sie entriss sie mir, denn sie hatte noch allerhand CDs, nicht nur diese melancholischen Volkslieder, auch klassische Sinfonien. Sie bot mir jetzt Krim-Sekt an und Konfekt mit dem seltsamen Namen "Roter Oktober". Ich goss in Gläser mit Goldrand ein, und ich dachte, jetzt kommen wir der Sache schon näher. Aber Irina zierte sich, und es muss schon weit nach Mitternacht gewesen sein, als es endlich soweit war. Irgendwie schämte sie sich ihrer Nacktheit und hielte ihre Brüste mit den Händen bedeckt. Ich ging vorsichtig zu Werke. Sie war sehr sanft und zitterte sogar auf dem Höhepunkt. Ich wollte sie nicht gleich am ersten Abend verderben und beließ es bei der eingenommenen Stellung. Es war so anders mit ihr als mit den deutschen Frauen, und ich nahm mir fest vor, mich bei ihr einzuschmeicheln, damit sie mich nicht so schnell vor die Tür setzen konnte, wie ich es mit Frauen erlebt hatte, die nach dem einzigen Mal schon nach dem nächsten Liebhaber Ausschau hielten.

Am schnellsten ist die Beziehung zu Regina (Nr. 4) aufgeschrieben. Ich lernte sie in einer Nachtbar kennen, eine hübsche Blondine um die zwanzig. Man sah sofort, dass sie gut gebaut war. Sie trug ein weißes Top zur schwarzen Hose, die Haut gut gebräunt. Ihre hauchdünne Bluse ließ ihre Brustwarzen nicht nur erahnen. Die junge Frau lächelte mir zu, und ich lud sie zu einem Drink ein. Dabei blieb es nicht, und wir unterhielten uns prächtig, lachten viel. Sie sei Studentin, irgendwas mit Medien, und sie wolle zum Fernsehen. Als Moderatorin könnte ich sie mir gut vorstellen. Als wir angetrunken waren und es draußen schon hell wurde, fragte ich, ob sie mit in meine Wohnung käme, und sie willigte ohne zu zögern ein.

Wir tranken nichts mehr, es ging gleich los. Sie zog sich aus, und ich bewunderte ihren jungen Körper. Allerdings sagte sie etwas, und ihre Worte bewirkten, dass ich sofort nüchtern war. Sie mache es nur für Geld. Kleiner Nebenverdienst als Studentin. Sollte ich sie aus der Wohnung werfen? Dazu war ich zu erregt, und ich holte meine Brieftasche und gab ihr einen Fünfzig-Euro-Schein. Eigentlich hatte ich es nicht nötig, zu Damen zu gehen, die es für Geld machten, und ich tröstete mich, dass es in meiner Wohnung passierte. Es ging alles ein bisschen schnell, denn sie musste um zehn schon im Hörsaal sitzen. Sie gab mir ihre Handy-Nummer, ich dürfe sie ab achtzehn Uhr jederzeit anrufen. Das waren ja schöne Aussichten, auf meine Geldbörse zielend. Wir könnten uns verabreden, falls sie nicht schon einen Termin vereinbart habe und besetzt sei. So ungewöhnlich können Frauenbekanntschaften sein.

Mit Katharina (Nr. 5) war die Sache schon komplizierter. Ich entdeckte sie in der Damenabteilung eines Bekleidungshauses, eine sehr elegante Erscheinung, und sie entdeckte mich auch. Sie trug ein schickes Kleid, auch allerhand Schmuck am Hals und an den Händen. Von der Figur her war sie etwas füllig. Sie sah mir tief in die Augen, und ich wusste, was sie wollte. Ich ging ihr nach, sie spürte wohl, dass ich auf ihre Beine sah, Frauen spüren das. Sie drehte sich um, gab mir die Hand und sagte: "Ich bin die Katharina." Wir setzten uns in ein Café. Die Unterhaltung verlief stockend, wir mussten uns nicht viel erzählen. Wir sahen uns an, wir waren uns sofort einig. Die Sache hatte allerdings einen Haken, Katharina war verheiratet. Sie hätte nur vormittags Zeit.

Ich musste nur kurz überlegen, denn der Chef einer Computerfirma, wo ich beschäftigt bin, war tolerant, es ließ sich durch Nacharbeit einrichten. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag, und ich gab ihr meine Telefonnummer und Adresse. Katharina, ich ahnte es schon und war darauf vorbereitet, schien mir sehr sexhungrig zu sein. Sie zog sich sofort aus und schubste mich ins Bett. Es ging leidenschaftlich zu, und ich genoss ihren prallen Körper. Sie war unersättlich, und es war das erste Mal anstrengend für mich. Danach rauchte sie erschöpft und glücklich eine Zigarette im Bett, und ich rauchte mit, obwohl ich Nichtraucher bin. Sie erklärte mir eindringlich, sie könne mir ihre Telefonnummer nicht geben, ich dürfte auf keinen Fall anrufen. Dann war sie auch schon verschwunden, und ich setzte mich ins Auto und fuhr in die Firma zurück. Mein Chef griente mich an, sagte aber nichts, und ich starrte wieder auf den blöden Computer.

Es war auch nicht so, dass es jedes Mal zu einem Treff kam, wenn mein Trieb es wollte. Ich musste vor allem die Übersicht behalten und durfte mich am Telefon nicht verplappern und gar einen falschen Namen nennen. Es war tote Hose, wenn ich Irina anrief, und sie sagte, sie sei "unpassend", wahrscheinlich meinte sie unpässlich, und ich erklärte es ihr, und sie vertröstete mich auf nächste Woche. Mit der Zeit konnte ich die Frauen gut auseinander halten und sie mir einteilen. Je länger wir uns aber kannten, kamen auch Ansprüche der Damen ins Spiel. Sie waren nicht unbedingt Nymphomaninnen, und jede der zwei Frauen, also Roswitha (Nr. 2) und Irina (Nr. 3), wollten auch mal einen Abend außerhalb des Bettes verbringen.

Ich möchte mich an dieser Stelle endlich bei meinen geneigten Leserinnen entschuldigen, dass ich fünf Nummern eingeführt habe, aber ich will nicht, dass sie die fünf Frauen durcheinander bringen und die Erzählung wegen fehlender Übersichtlichkeit vorzeitig zur Seite legen. Und ich will meine Liebhaberinnen auch nicht verwechseln.

Irina (Nr. 3), die im Besitz meiner Telefonnummer war, lud mich zum Gastspiel eines Moskauer Theaters ein. Im Foyer stellte sie mich mehreren Männern und Frauen vor und erzählte mir nach der Aufführung, das seien alles berühmte Leute - Professoren, Schriftsteller, Musiker und bildende Künstler. Offenbar handelte es sich um Immigranten und Russlanddeutsche. Gegeben wurde das Stück "Drei Schwestern" von Anton Tschechow. Wegen der Zahl drei musste ich an meine drei Hauptfrauen denken, an die neben mir sitzende Irina (Nr. 3) und an Roswitha (Nr. 2) und Katharina (Nr. 5), und innerlich grinsen. Ich hatte keine Lust, mir die Kopfhörer überzustülpen und die Dialoge auf der Bühne in Russisch und im Ohr in Deutsch zu hören. Ich verstand gar nichts. Ich wollte mich lediglich in die Figuren hineinhören, in ihr Lebensgefühl. Ich stellte bald fest, dass es traurige Gestalten waren, ohne ein bisschen Lebensfreude. Irgendwie erinnerten die drei Schwestern an Irina, obwohl sie längst nicht so sentimental war. Es gab viel Beifall, und ich bedankte mich bei Irina mit dem Besuch in einem Restaurant. Sie erläuterte mir den Sinn des Stücks von Tschechow.

Abgesehen davon, dass das Stück im 19. Jahrhundert spielt, war es mir doch sehr fremd. Von Russland erfuhr man in unseren Medien wenig, ich war mir nicht einmal im Klaren, ob Russland zu Europa gehört oder nicht. Irina äußerte ihre Entrüstung, weil die Deutschen jedes russische Wort falsch betonten, während das mit englischen Namen und Wörtern nicht geschah. Wir fuhren nach dem schönen Abend in die Wohnung von Irina, die heute nicht "unpassend" war, und ich zeigte ihr, dass es nicht nur die Missionarsstellung gibt. Schwierig gestaltete sich das Verhältnis mit der verheirateten Katharina (Nr. 5). Sie hatte einen reichen Mann, der offenbar wegen geschäftlicher Angelegenheiten wenig Zeit für seine Frau aufbringen konnte, sie zu Hause saß, ohne Beruf und Kinder. Katharina war sehr anspruchsvoll, bestens gekleidet und frisiert, eine elegante Erscheinung, fast schon eine Persönlichkeit aus höheren Kreisen der Gesellschaft. Vielleicht war ich ein bisschen zu gewöhnlich, zu arm für sie. Aber sie ließ es sich nicht anmerken. Sie machte mir kleine Geschenke, ein Aftershave oder eine Krawatte, ich hingegen wusste nicht, was ich ihr schenken sollte. Wenn sie mich besuchte, stellte ich wenigstens einen großen Rosenstrauß auf den Tisch, den sie auch mit Freude zu Kenntnis nahm.

Von ihr ging für mich keine Gefahr aus, denn sie hatte wohl nicht die Absicht, sich scheiden zu lassen, auf Besitz und Wohlstand zu verzichten. Ich befürchtete, dass wir wegen der Geheimhaltungsstufe auf einen toten Punkt gelangen könnten. Ich musste ihr zur Verfügung stehen, wenn die Luft rein und ihr Mann in dienstliche Dinge verstrickt war. Katharina sagte mir, dass ihr Mann sehr eifersüchtig sei, und ich hatte den Verdacht, dass er sie ausspionieren lässt. Mir kam es vor, als würde ihr Mann sie wie ein kostbares Schmuckstück hüten. Kein Wunder, dass die Frau frustriert war und sich zu mir hingezogen fühlte. Unser Sex blieb immer leidenschaftlich, und ich spürte, dass Katharina unter ihrer Einsamkeit litt und sich für ihr häusliches Gefängnis revanchieren wollte.

Sie belog ihren Mann und suchte jede Gelegenheit, ihrer Gefangenschaft zu entkommen, und sei es durch Einkäufe, Besuche bei Kosmetikerinnen, in Friseursalons oder Modehäusern. Manchmal schafft sie es, mich zweimal in der Woche vormittags zu besuchen. Als ich solchen Fällen meinen Chef um eine zweistündige Freistellung bat, sah ich wieder sein Grinsen und hörte sein OK. Einmal schlug Katharina mir vor, für drei Tage zu verschwinden, weil ihr Mann auf Geschäftsreise sei. Offenbar hatte sie eine Freundin, die ihre Abenteuer deckte und bereit war auszusagen, dass Katharina drei Tage auf ihrem Grundstück verbracht hatte. Während dieser Zeit versteckten wir uns auf dem Lande in einem kleinen Hotel, und ich fuhr extra Umwege, um eventuelle Verfolger abzuschütteln. Wegen dieser drei Tage hatte ich vorher Barbara (Nr. 1), Roswitha (Nr. 2) und Irina (Nr. 3) informiert, dass ich auf Dienstreise bin. Ich gewann den Eindruck, Katharina schöpfte während unserer Flucht Kraft für die nächsten Tage, für die Langeweile in ihrer Wohnung, die ich mir sehr luxuriös vorstellte und die es sicherlich auch war. Das hatte auch einen Vorteil, denn ich musste niemals mit dem Auto zu ihr und zurückfahren. Alles geschah in meinen eigenen vier Wänden.

Die geschiedene Roswitha (Nr. 2) hatte dagegen viel Zeit, abgesehen von ihrer Arbeit, sie war in einem Friseursalon beschäftigt. Sie wollte sich ständig mit mir treffen. Ich musste ihr mehrfach erklären, dass ich einen sehr wichtigen Posten in einer Computerfirma bekleidete und wir ein Software-Programm entwickelten, das in allen deutschen Bahnhöfen - ob Eisenbahn, S-Bahn, U-Bahn und sogar in Flughäfen - eingesetzt werden soll. Das war ein bisschen geflunkert. Roswitha ging gern tanzen, und wir besuchten Diskotheken und tanzten eng umschlungen. Ich hatte Mühe, die Augen nicht auf andere schöne Frauen zu richten, die vielleicht schlanker und jünger waren. Denn ich hatte es mit Roswitha (Nr. 2), Irina (Nr. 3) und Katarina (Nr. 5) mit Frauen zwischen dreißig und vierzig zu tun, was aber nicht verkehrt sein muss, vielleicht ist es für sie das beste Alter für den Sex.

Roswitha wollte mit mir zusammen Urlaub machen, und ich stand vor der Frage - ja oder nein. Ich sagte zu, aber nur für acht Tage. Es war eine schöne Zeit, wir fuhren quer durch Bayern, vom Bodensee nach Garmisch-Partenkirchen, von dort nach Berchtesgaden mit Kurzbesuchen in Österreich. Es war kein billiger Urlaub, aber Roswitha war Kumpel und bezahlte fast die Hälfte der Kosten. Eines Abends saßen wir in einer Bauernstube an einem Ecktisch, und ich ahnte, dass sie mich in die Zange nehmen wollte. Sie bestellte die Getränke, sie trank ziemlich viel und fragte mich plötzlich, ob ich ihr heute einen Heiratsantrag machen möchte. Ich sagte ihr, ich müsse erst mal zur Toilette. Als ich zurückkam, erklärte ich ihr, dass mir von dem vielen Alkohol schlecht sei und bat sie, unser Quartier aufzusuchen. Sie wurde wütend und stieß ein paar Flaschen vom Tisch, auch noch von der Theke. Ich bat Roswitha, sich zu beherrschen und bezahlte die Flaschen. Unser Sex in der Nacht war wild, und ich glaubte, sie hatte verstanden und wollte den ganzen Frust in ihre Leidenschaft legen. Sie boxte mit ihren Fäusten auf meine Brust und schrie: "Du Schuft, du Schuft." Am nächsten Morgen fuhren wir schweigend nach Berlin zurück.

Auch nicht einfacher war es mit Barbara (Nr. 1), der trauernden Witwe. Sie ging zweimal wöchentlich auf den Friedhof zu ihrem verunglückten Mann, meinem besten Freund. Ich hatte Barbara ein bisschen vernachlässigt, aber sie regte sich nicht auf, Hauptsache meine Koffer standen bei ihr in der Wohnung. Sie bügelte sorgfältig meine Hemden. Ich erkannte, dass sie im Grunde eine sanftmütige, stille Frau war. Und ich bewunderte ihre Liebe zu ihrem Mann auch nach dessen Tod, und ich befürchtete, dass ich zu solchen tiefen Gefühlen nicht fähig war.

Natürlich schliefen wir ab und zu miteinander, aber ich wollte sie nicht benutzen, auch war sie nie ganz bei der Sache. Wahrscheinlich waren ihre sexuellen Gefühle erstarrt, gestorben. Ich machte mit ihr am Wochenende Ausflüge ins Grüne, um ihr die Natur zu zeigen. In diesen Stunden schien sie mir zufrieden, ein leises Lächeln stand auf ihrem Gesicht. Wir machten Picknick auf der Wiese, und sie sprach wieder von ihrem Mann, denn wir hatten manchmal zu dritt im Wald auf einer Wiese gesessen und das mitgebrachte Essen und die Getränke auf einer Decke ausgebreitet. Fuhren wir zurück in die Großstadt, verfinsterte sich ihre Miene, und sie schwieg. Nach so einem Erlebnis in der Natur fanden wir leider nicht zusammen, und jeder schlief in seinem Zimmer.

Regina (Nr. 4) nahm in meiner Fünfer-Beziehung eine Sonderrolle ein. Ich rief sie ab und zu an, sie kam auch meistens pünktlich und erhielt ihren Fünfzig-Euro-Schein. Ich liebte ihren jungen Körper, ihre spitzen Brüste, ihre Schenkel, ich möchte nicht deutlicher werden. Wenn man Ende vierzig ist, weiß man, dass die Jugend vorbei ist. Gerade deshalb drückte ich Regina fest an mich, damit die Jugend, welche Illusion!, nicht verloren ginge. Ich fragte sie, was andere Männer von ihr wollten. Sie sagte dazu nicht viel, sie mache normalen Sex ohne Perversionen, sie sei schließlich keine Hure, obwohl sie sich, wahrscheinlich wegen des heutzutage aufwendigen Studentenlebens, bezahlen ließ. Ich fuhr sie spät abends aus Dankbarkeit in die Nähe ihrer Wohnung, die Straße wollte sie mir nicht verraten, und sie ahnte wohl, welche Gefühle mich bewegten.

Bald danach lud ich Regina ein, mal einen Tag am Wochenende mit mir zu verbringen. Sie war einverstanden, und wir fuhren durch die Gegend. Als sie eine Boutique sah, bat sie mich anzuhalten. Sie probierte verschiedene Kleidungsstücke und hängte sie wieder auf den Bügel. Das Spielchen wiederholte sich, und sie legte auch mal eine Bluse oder Hose zur Seite. Die Verkäuferin beriet sie gern, machte ihr wegen ihrer Figur Komplimente und gratulierte mir zu dieser jungen blonden Frau. Es war nicht gerade billig, was sie in einer Tüte zum Auto trug, und sie hatte Stolz in ihren Augen, mich ausgenommen zu haben.

Wir fuhren zu einem See, aßen zu Mittag und machten eine Dampferfahrt. Die männlichen Passagiere sahen mich eifersüchtig an, und die meisten weiblichen Passagiere taten so, als würden sie Regina nicht zur Kenntnis nehmen, aus Eifersucht. Genau diesen Effekt wollte ich erreichen. Ich genoss es, mich mit dieser jungen Frau zeigen zu dürfen. Am späten Nachmittag war der Genuss vorbei. Regina drängelte zur Heimfahrt, denn sie habe noch einen Termin. Ich setzte sie wieder in der Nähe ihrer Straße ab, und sie legte mit ihren langen Beinen einen besonders eleganten Gang ein und verschwand mit der Tüte und den teuren Klamotten aus meinen Augen. Ich setzte mich in eine Bar, hier war aber wegen des schönen Wetters nicht viel Betrieb und nicht das richtige Material vorhanden, und ich stieg wieder ins Auto. Ich geriet in eine Polizeikontrolle, war ein bisschen zu schnell gefahren. Ich musste meine Papiere vorlegen und eine Strafe zahlen. Man wusste, dass die Polizei Geld braucht, es hieß, ihre Einrichtungen und Ausrüstungen seien mangelhaft, hinzu kam, dass Berlin sowieso pleite war und unvorstellbar hohe Schulden hatte. Ich nahm es gelassen, denn Punkte in Flensburg hatte ich null.

Roswitha (Nr. 2) nahm mich an einem Wochenende mit zu einer Party, zu ihren Bekannten aus Friseurkreisen, die großen Wert auf gepflegte Haare legten und durch originelle und seltsame Frisuren auf sich aufmerksam machen wollten, von den Klamotten ganz zu schweigen. Offenbar wollte Roswitha mit mir angeben und zeigen, dass sie nach ihrer Scheidung wieder einen Lover hat. Es war die übliche Langeweile, weil man sich im Grunde nichts zu sagen hat, was aber durch Getue und Getratsche übertüncht wird. Es gibt dann mehr zu trinken als zu essen, es wird getanzt und geflirtet. Manchmal kommt bei einem flüchtigen Gespräch sogar die hohe Politik ins Spiel, was die Herren Abgeordneten wieder mal beschlossen hätten, diese Steuerlast auf unseren Schultern, die Geldgeschenke der Regierung an unterentwickelte Länder, die vielen Ausländer bei uns.

Roswitha erzählte jedem und allen, dass ich eine wichtige Position in einer Computerfirma inne hatte, ein sehr gut bezahlter Job. Endlich wurden die Partygäste langsam müde und verabschiedeten sich nach und nach. Auch ich bedankte mich für die Einladung, und was das doch für ein schöner Abend gewesen sei, und alle waren sich einig, dass man bald wieder eine Party veranstalten müsse. Wir bestellten ein Taxi. Ich war froh, mit Roswitha allein zu sein, denn ich war gern mit einer Partnerin zusammen und brauchte nicht die vielen Menschen auf einem Haufen. Roswitha war guter Laune, sicher ein bisschen beschwipst. Sie freute sich, denn ich hatte vielleicht bei einigen Partygästen durch meine lässige Art Eindruck hinterlassen, und Roswitha genoss den Triumph. Ich war ziemlich müde, Roswitha natürlich nicht, und sie hielt mich munter, indem sie die Initiative ergriff und sich auf mich setzte bis ich nicht mehr konnte. Irina (Nr. 3) lud mich telefonisch in den russischen Staatszirkus ein, der gerade gastierte, und das konnte ich nicht abschlagen und wollte es auch nicht. Seit meiner Kindheit liebte ich besonders Artisten, und ich war voller Bewunderung für sie. Diese Körperbeherrschung, diese Spitzenleistungen am Trapez oder Trampolin, dabei diese Leichtigkeit der Darbietung! Ich fragte mich, wie es möglich sei, ein- oder zweimal am Tag solche Auftritte hinzukriegen.

Allerdings hatte der an sich reizvolle und mit viel Beifall bedachte Abend einen bitteren Beigeschmack. Ich traute meinen Augen nicht - wenige Plätze neben uns saßen Katharina (Nr. 5) und ein Mann, sicher ihr Ehemann. Bestimmt hatte sie mich ebenfalls entdeckt, aber sie blieb cool, und auch ich ließ mir nichts anmerken. Sie wirkte heute besonders elegant. Ihr Mann musste etwa fünfzehn Jahre älter sein als sie, hatte schon ziemlich graues Haar und wirkte mit seiner Brille etwas streng. In der Pause vermied ich es, mit dem Paar zusammenzutreffen, und ich blieb ziemlich lange sitzen, und Irina fragte mich, ob wir uns denn nicht die Beine vertreten wollten. Einmal, nach der Pause, hatte ich das Gefühl, Katharina würde zu mir herüber schauen, und unsere Blicke trafen sich sekundenlang. Nach der Vorstellung gab es keine Berührungspunkte, denn die Zuschauer drängten aus dem Zirkuszelt.

Ich fuhr Irina nach Hause, und sie erzählte mir unterwegs von der russischen Zirkustradition. Sie war aufgeregt, vielleicht war sie wieder an ihre Heimat erinnert worden. Sie spielte mir heute nur leichte Musik vor. Irgendwie fühlte ich mich zu Irina hingezogen, ich nahm sie in meine Arme, und auch sie drückte mich an sich. Irina ging mit mir ungewöhnlich schnell ins Bett ohne weitere Musikstücke abzuspielen. Sie war wegen des Zirkus-Erlebnisses sehr aufgewühlt. Ich wollte sie unbedingt zum Höhepunkt bringen, und das gelang mir auch, ich spürte wieder ihr Zittern und vernahm ihr leises Stöhnen.

Ich machte mir keine Gedanken, wie lange das Fünfer-Verhältnis dauern könnte, Frauen gab es genug, und ich war ein Frauenheld, rechnete aber auch mit leichten Komplikationen. Die ließen nicht lange auf sich warten. Als mich Katharina (Nr. 5), ich kam mir manchmal wie ein Callboy vor, wie üblich am späten Vormittag besuchte, teilte sie mir mit, dass wir eine Woche aussetzen werden. Ihr Mann sei krank, er halte sich zu Hause auf, und sie müsse ihn pflegen. Sie war nur unter Schwierigkeiten von ihm losgekommen, hatte einen Termin bei einer Kosmetikerin vorgetäuscht. Ich teilte ihr mein volles Verständnis mit, was sollte ich auch sonst sagen. An der Wohnungstür verabschiedeten wir uns mit einem Kuss. Sie griff mir zwischen die Beine und sagte keck: "Dein Schwanz wird mir fehlen."

Irina (Nr. 3) hatte mich zu einem Konzert russischer Musik eingeladen, aber ich verspürte keine Lust darauf und sagte ab. Sie solle nicht böse sein, ich hätte viel Arbeit, und ich erklärte ihr das Software-Programm unserer Firma, das nicht richtig funktioniere. Ich weiß nicht, ob sie es mir abnahm, sie sagte traurig auf Russisch "Poka". Dieses Wort mit vier Buchstaben und der Betonung auf der zweiten Silbe hatte mir Irina beigebracht, es heißt soviel wie "Bis bald".

Ich lud lieber Roswitha (Nr. 2) ein, dann musste ich keine Pelmeni essen wie bei Irina und konnte meinen eigenen Käse-Toast anbieten, dazu eine Flasche Rotwein. Aber Roswitha kam mir irgendwie verändert vor, sie sprach wenig und sah mich dauernd prüfend an. Ich wollte die Szene überspielen, legte eine rockige CD ein, aber sie schaltete den Player ab und sagte plötzlich: "Du schläfst mit einer anderen Frau." Ich versuchte mich herauszureden, herauszuwinden, wen sie denn meinte, aber es gelang mir nicht. Roswitha sagte: "Sie heißt Irina." Ich war verblüfft und kippte erst mal ein Glas Rotwein hinter. Offenbar hatte sie eines späten Abends, als ich eingeschlafen war, in meinem Notizbuch geschnüffelt, die Nummern der anderen Frauen Gott sei Dank! übersehen. Sie forderte mich auf, das Verhältnis sofort zu beenden, und ich willigte notgedrungen ein. Ich stammelte, ich hätte das nicht gewollt, es hätte gewisse Umstände gegeben, die zu dem Vertrauensbruch führten. Ich versprach Roswitha, heute im Bett ganz lieb und zärtlich zu ihr zu sein, und sie sagte nur: "Das will ich auch hoffen." Als sie gegangen war, stellte ich mir eine Ehe mit Roswitha vor und bekam es mit der Angst zu tun. Bestimmt hätte ich bei ihr nichts zu melden, sie würde mich vielleicht demütigen und sogar Sex-Entzug anwenden, wenn ich mich nicht richtig verhielt oder sogar mit anderen Frauen flirtete.

Ich hatte Barbara (Nr.1) etwas vernachlässigt und mehrere Tage nicht in ihrer Wohnung geschlafen. Meine Wäsche war wieder schrankfertig, aber Barbaras Zustand gefiel mir nicht. Sie sah blass und Kur verdächtig aus. Ich nahm sie in die Arme, ohne erotische Absichten, einfach als ihr Freund. Sie hatte ein Fotoalbum auf dem Tisch - Erinnerungen an ihren verstorbenen Mann. Ich konnte immer noch nicht verstehen, wie sehr die Frau eine so enge Bindung zu ihrem Ehegatten hatte, über den Tod hinaus, der schon fünf Monat zurücklag.

Wir aßen zusammen Abendbrot, und plötzlich äußerte ich eine grandiose Idee. Ich schlug Barbara vor, in eine andere Wohnung zu ziehen, in eine andere Umgebung, vielleicht käme sie dann schneller über ihre Trauer hinweg. Sie lehnte sofort ab, obwohl ich ihr meine Idee schon mehrmals angedeutet hatte. Sie brauche die Nähe zu ihrem Mann, mit dem sie täglich spreche. Mir kam es so vor, als sei Barbara plötzlich religiös angehaucht, zu meinem Lebenswandel passte der liebe Gott jedenfalls nicht. Ich schlug ihr vor, ins Kino zu gehen, und sie willigte ein. Der Film spielte in Frankreich auf dem Lande und zeigte unterschiedliche Charaktere, die sehr liebenswürdig dargestellt waren. Barbara blieb bis zum Schluss, ins Restaurant oder in eine Bar wollte sie nicht, und in ihrer Wohnung gingen wir wieder jeder in sein Zimmer.

Als ich Irina (Nr. 3) eines Abends nach telefonischer Anmeldung besuchte, gab es keine Pelmeni, sondern als Vorspeise Pilze in Sahne und danach gehacktes Beefsteak. Auf dem Tisch stand wieder eine Flasche Wodka. Auch Irina kam mir irgendwie verändert vor, machte beim Essen so unnötige lange Pausen und starrte vor sich hin. Ich fragte sie, ob sie sich nicht wohl fühle, sich hinlegen wolle. Wir beide würden doch Rücksicht nehmen und notfalls auf den "Nachtisch" verzichten.

Plötzlich kamen ihr die Tränen. Ich fragte sie, warum sie weine. Sie antwortete, sie hätte eine Begegnung mit einer Frau gehabt, die sich namentlich nicht vorgestellt hätte. Irina wurde von ihr angerufen und zu einem Treff in einem Café verpflichtet, sonst würde Schlimmes geschehen. Ich fragte Irina, wie denn diese Frau ausgesehen habe, und ich ahnte es schon - es war Roswitha (Nr. 2). So ein Weib! Sie habe gefordert, dass die Beziehung zu mir sofort beendet werde, denn Roswitha und ich stünden kurz vor der Hochzeit. So ein Teufelsweib! Ich entschuldigte mich tausendmal bei Irina, die Frau habe gelogen, ich hätte ihr niemals die Heirat versprochen, und unser Verhältnis liege schon ein Jahr zurück, das schwöre ich! Es dauerte dieses Mal länger als sonst, ehe wir im Bett lagen, denn ohne russische Volkslieder und den ersten Satz einer Sinfonie gehört zu haben, gab sie sich mir nicht hin.

Um vor Irina (Nr. 3) glaubwürdig dazustehen, arrangierte ich eine Begegnung mit Barbara (Nr. 1). Ich sagte der Russin, dass Barbara meine beste Freundin sei, so wie ihr verstorbener Mann mein bester Freund war und wir zu dritt viel zusammen unternommen hätten. Ich würde ihr alles anvertrauen, sie kenne meine Geheimnisse, wenn ich denn welche hätte. Barbara sei also Witwe und noch immer in Trauer, obwohl ihr Mann schon vor Monaten gestorben sei. Irina sagte, sie verstehe und werde sich "respektlos" verhalten, und ich korrigierte sie, das hieße respektvoll. Natürlich hatte ich Barbara vorher gefragt, ob sie die hübsche Russin kennen lernen wollte, mit der ich ein Verhältnis eingegangen war. Sie solle bezeugen, dass ich Roswitha niemals ein Eheversprechen gegeben hätte. Barbara war in meine Liebesbeziehungen eingeweiht, und sie nahm mir das als Single auch nicht übel, weil es keinen Grund dafür gab, denn wir waren mehr oder weniger nur befreundet.

Barbara empfing Irina freundlich, und beide Frauen verstanden sich sofort. Irina erzählte von den Birkenwäldern bei Moskau, und Barbara sprach von ihren glücklichen Ehejahren, die leider zu Ende seien. Es gab ein reichliches Abendbrot, Irina hatte Kaviar und Wodka mitgebracht, und der Alkohol löste die Zungen. Ich bat Barbara darum, mir zu bestätigen, dass ich kein Verhältnis mehr mit Roswitha hatte und es nie zu einem Heiratsversprechen gekommen sei. Es handle sich um die Lüge einer einsamen, eifersüüchtigen und krankhaft veranlagten Frau. Und Barbara bestätigte das wie abgesprochen. Irina bedankte sich zum Schluss für die freundliche Aufnahme und das festliche Essen.

Wir bestellten uns ein Taxi und fuhren in Irinas Wohnung. Unterwegs sagte sie: "Eine traurige Geschichte mit Barbara." Ich war an diesem Abend, nachdem ich mich scheinbar gerechtfertigt hatte, besonders scharf auf Irina. Sie willigte auch ein und hatte beträchtliche Fortschritte gemacht, denn jetzt waren ihr schon mehrere Stellungen beim Sexualverkehr geläufig. Ich war rehabilitiert, meine "Ehre" wiederhergestellt.

Als sich Katharina (Nr. 5) nach der Genesung ihres Mannes ihre wöchentliche Sex-Ration bei mir abholte, kam sie prompt auf den Zirkusbesuch zu sprechen und fragte mich, wer die Frau an meiner Seite gewesen sei. Sie sei selbstverständlich mit ihrem Ehegatten gekommen. Ich antwortete, dass sie eine liebe Bekannte aus Russland ist, die mich manchmal zu Veranstaltungen mitnimmt, weil sie gemerkt hätte, dass ich mich für die russische Kultur interessiere. "Und wie oft schläfst du mit ihr?", fragte Katharina. Ich wich ihr aus und antwortete, es sei eine harmlose Beziehung, offenbar sei die Russin verklemmt und freue sich, einen Begleiter für Gastspiele von Künstlern aus ihrer Heimat gefunden zu haben. "Und die osteuropäischen Nutten in Berlin, sind die auch verklemmt?", wollte Katharina wissen. Ich war verwundert, ging es hier um Eifersucht? Auch fiel mir die Schärfe der Fragestellung auf, so kannte ich diese Frau bisher nicht. Ich sagte zu ihr: "Katharina, ich bin ein freier Mann, und du bist verheiratet." Damit fand das unangenehme Gespräch ein Ende, denn sie musste meine Erklärung wohl oder übel akzeptieren.

Die Fernsehkiste in meiner Wohnung lief nicht oft und auch nicht lange. Das hatte mit meiner zeitlichen Beanspruchung, mit der Koordinierung und Realisierung meines Fünfer-Verhältnisses zu tun. Fußballspiele sah ich mir schon an, auch mal andere sportliche Ereignisse. Ich überlegte, mal wieder in ein Stadion zu gehen, selbstverständlich nicht allein. Roswitha (Nr. 2) wäre sicher sofort mitgekommen, Barbara (Nr. 1) nicht. Ich telefonierte mit Irina (Nr. 3), ich wollte mich für die Einladungen ins Theater und in den Zirkus bedanken, mich revanchieren.

Nach langem Zögern, sie hatte Angst vor der lauten Atmosphäre im Stadion, sagte sie endlich zu. Wir suchten uns Sitzplätze aus, oben und am Rande, um mit den grölenden Fans nicht in Berührung zu kommen. Von meinen fünf Sex-Partnerinnen hatte ich mich in letzter Zeit besonders zu Irina hingezogen gefühlt. Ihre Natürlichkeit gefiel mir. Vielleicht suchte sie Schutz bei einem Mann, und ich fühlte mich geschmeichelt. Es war natürlich ein blöder und egoistischer Einfall von mir, sie in ein Fußball-Stadion mitzunehmen. Ich hätte sie in ein Berliner Theater einladen sollen.

Es kamen dann auch die Fragen, die oft von Frauen kommen, die zum ersten Mal ein Fußballspiel sehen. Am meisten wunderte sie sich, dass das Spiel ständig unterbrochen werden musste, wegen der vielen Fouls. Auch mit gefiel das nicht. Wenn ich im Fernsehen italienische oder spanische Klubs sah, lief das Spiel längere Zeit, ohne dass der Schiedsrichter zur Pfeife greifen musste, weil die Spieler bessere Techniker waren als die Deutschen. Dann kam von Irina die schwierige Frage, was denn Abseits sei, und es war schwer zu erklären, weil es jedes Mal die sekundenschnelle Entscheidung eines Linienrichters ist.

Ein Tor war bis zur Pause auch nicht gefallen, und ich fragte Irina, ob wir das Stadion verlassen wollen. Sie willigte sofort ein, denn sie befürchtete, nach Ende des Spiels ins Chaos zu geraten, wenn sich die Zuschauer von den Rängen erhoben. Wir fuhren in die Stadt zurück und setzten uns in ein Straßencafé. Irina versuchte, mir russische Wörter beizubringen. Sie korrigierte mich ständig. Ich muss nicht sehr sprachbegabt sein, denn Irina gab bald auf. Sie fragte mich, ob wir bei ihr zu Hause Musik hören wollen, sie hätte mir noch keine russische Oper vorgespielt, und ich willigte ein, um Irina nicht zu kränken.

Als ich eines Tages meinen Computer einschaltete, um die Post durchzusehen, fand ich eine E-Mail, die mich überraschte. Sie lautete: "Sehr geehrter Herr, es bedurfte einiger Anstrengungen, um an Ihre Internetadresse zu gelangen. Wer der Absender ist, wer ich bin - das werden Sie bei unserer ersten Begegnung erfahren. Eins kann ich Ihnen verraten, ich bin eine Frau und habe den Wunsch, bald mit Ihnen zusammenzutreffen. Ich weiß, wer Sie sind, welche Qualitäten Sie haben, und ich möchte sie testen. Ich garantiere Ihnen vollste Verschwiegenheit und Geheimhaltung. Alles bleibt unter uns, und ich versichere Ihnen, dass Sie sich in keine Gefahr begeben. Den Ort unseres Treffens teile ich Ihnen das nächste Mal mit, wenn Sie mir geantwortet haben. Herzlichst Frau Unbekannt."

Ich las den Text zweimal und dreimal und konnte ihn zunächst nicht richtig deuten. Sollte es eine geschäftliche Angelegenheit sein? Es sah mir eher nach Erotik aus, als wolle mich eine Frau unbedingt in ihr Bett ziehen. Ich ging meinen Bekanntenkreis durch. War es vielleicht eine Arbeitskollegin, eine Hausbewohnerin, eine Krankenschwester? Ich dachte scharf nach und fand die Lösung. Das konnte nur jemand sein, der eine meiner fünf Frauen kennt. Ich musste nicht länger überlegen - ich tippte auf Katharina (Nr. 5), die mich mit ihrer Freundin teilen wollte. Katharina hatte bestimmt von mir erzählt, und die Freundin hatte Appetit bekommen. Das war gewiss die Frau, die die Lügen von Katharina deckte und bereit war zu erzählen, dass Katharina auf ihrem Grundstück gewesen sei, während ich mich mit ihr in einem Landgasthaus vergnügte. Die Dame, nahm ich an, war bestimmt verheiratet. Oder sollte es eine zweite, dieses Mal im Gegensatz zu Barbara, sexlüsterne Witwe sein?

Sollte ich diese E-Mail beantworten? Na gut, es hätte reizvolle Abende und Nächte gegeben. Aber ich zögerte und entschied mich, entgegen meinem sonstigen Verhalten, nicht auf das Angebot zu reagieren. Irgendwie spürte ich, dass ich sonst in eine Verstrickung geriet, aus der ich nicht mehr herausfinden würde. Ich schaltete den Computer wieder aus.

Ich lud mich bei Roswitha (Nr. 2) ein, denn ich wollte unser Verhältnis erhalten, trotz gewisser Spannungen, die sich ergeben hatten. Sie fragte mich natürlich sofort, ob ich Beziehung mit der Russin Irina (Nr. 3) beendet hätte. Ich sagte ihr noch einmal, dass es sich um Freundschaft handeln würde, nur gelegentlich käme es zwischen uns zum Sex, woran der Wodka Schuld sei. Darauf sagte sie: "Sollte das ein Witz sein?" Im Grunde genommen konnte Roswitha nichts dagegen einwenden und sollte froh sein, dass sie in mir einen festen Geliebten hatte.

Der Abend verlief anders als sonst, natürlich Abendbrot und ausreichend Getränke. Dann legte sie ein Video in den Recorder, und ich staunte nicht schlecht - es lief ein Pornofilm. Ich war nicht gerade begeistert, denn solche Stimulierungsmittel brauchte ich nicht, ganz anders Roswitha. Sie sah gebannt auf den Bildschirm und meinte, wir könnten die Stellungen kopieren. Schon nach zwanzig Minuten begann sie, an mir herumzufummeln und mich in ihren Besitz zu nehmen. Einerseits war es mir angenehm, andererseits störte mich das Stöhnen im Hintergrund. Irgendwie hatte ich das Gefühl, benutzt zu werden. Ich sagte Roswitha, dass ich noch etwas trinken und rockige Musik hören möchte. So plätscherte der Abend dahin. Ich musste mir wegen des Alkoholkonsums ein Taxi bestellen, denn am nächsten Morgen begann für mich der normale Arbeitstag am Computer in der Firma. Roswitha hatte erreicht, was sie erreichen wollte, und ich durfte mich gegen Mitternacht von ihr verabschieden.

Nach wenigen Wochen schien mir, dass mir mein Fünfer-Verhältnis über den Kopf wuchs, es sich etwas zusammenbraute, dass ich die Geister, die ich rief, nicht mehr loswerden würde. Irina (Nr.3), kam mir neuerdings bei manchen Begegnungen etwas launisch vor, Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt. So wechselten ihre Stimmungen. Ich vermutete schon, sie wolle mich als Ehemann, aber sie machte keinerlei Andeutungen in diese Richtung. Regina (Nr. 4) versuchte mich wieder einmal, als wir zu einem Badesee fuhren, in eine Boutique zu locken, aber dieses Mal gelang es ihr nicht, meine Brieftasche zu plündern, denn ich umfuhr solche Straßen in der Stadt, in denen es Boutiquen gab, und Regina musste sich fügen.

Barbara (Nr. 1) blieb depressiv und drückte mir ihre Verärgerung aus, dass ich in letzter Zeit so wenige Abende mit ihr verbracht hatte. Ich müsste doch wissen, dass sie die Einsamkeit fürchte, und sie erinnerte mich an meine Versprechungen. "Ich denke, du bist mein Beschützer", sagte sie nur, und ich schwieg beharrlich vor mich hin. Aller Ärger hatte damit begonnen, dass Roswitha (Nr. 2) in meinem Notizbuch herumgestöbert hatte. Ich konnte mir nicht verzeihen, so einen Fehler begangen und das Heftchen nicht besser versteckt zu haben. Diese Frau war sowieso eine ständige Gefahr, weil sie sich immer noch erhoffte, da war ich mir ganz sicher, eines Tages zum Standesamt geführt zu werden. Mit Katharina (Nr. 5) hatte es erstmals ein unerfreuliches Gespräch gegeben, und sie hatte mich ertappt. Wie sollte das weitergehen?

Eines Abends, als ich allein in meiner Wohnung war, um ein bisschen Staub zu wischen, grübelte ich grundsätzlich darüber nach, warum es zwischen den Menschen Sex gibt, statt ihn nur zur Vermehrung zu nutzen.

Die Ansicht, man müsse mit anderen Partnern geschlafen haben, um "Erfahrung" zu sammeln, war weit verbreitet. Vielleicht wollte man auch nur seine Jugend genießen und schöne Erinnerungen für das Alter bewahren. Warum manche Frauen sich mir hingaben, wussten sie vielleicht selber nicht, es gehörte eben zum Leben dazu. Oft war es nur schneller Sex, ich wurde meinen Druck los, und bei manchen Frauen spürte ich nicht einmal deren Orgasmus. Vielleicht tragen die Frauen eine Mitschuld an meiner Situation. Schließlich war ich der Bösewicht, denn eine Frau formulierte es derb, als sie zu mir sagte: "Du Sexprotz!".

Mögen die geneigten Leser selbst entscheiden, ob ich ein Sexprotz bin. Ich musste plötzlich daran denken, dass mir Roswitha (Nr. 2) einen Pornofilm vorgeführt hatte. Sie beanspruchen in den öffentlichen Videotheken den meisten Platz. Der in den Filmen gezeigte Sex am laufenden Band schien mir überzogen und abstoßend. Schon die Cover der Videokassetten waren mit der Darstellung sexueller Handlungen deutlich genug. Ich fragte mich, wer die eigentlichen Interessierten sind - die Neugierigen, die Schamlosen, die Impotenten, diejenigen, die sich nicht an eine Frau herantrauten. Die Pornoindustrie scheint auf Hochtouren zu laufen. Auf solche Filme war ich nicht angewiesen, hatte aber wie jeder Mensch Sex-Phantasien. Und so kam ich auf die Idee, mir vorzustellen, wie ich mit meinen fünf Frauen im Bett liege. Leider musste ich mir lesbische Szenen ausdenken, denn ich war als Mann in der Unterzahl, mischte aber kräftig mit. Diese Bilder erregten mich, und ich stellte mich unter die kalte Dusche.

Mein Verlangen nach Sex war mir für die nächsten Tage vergangen, weil eines Abends Roswitha bei mir klingelte und Einlass begehrte. Es war zwischen uns nicht üblich, bei dem anderen Partner unangemeldet zu erscheinen, sondern nur nach telefonischer Absprache. Roswitha setzte sich bedeutungsvoll auf meine Couch und sagte zunächst gar nichts. Ich fragte sie, was los sei. Sie erwiderte, sie hätte eine umwerfende, freudige Nachricht für mich. Ich vermutete, dass sie einen Friseursalon eröffnen werde, denn das war, wie ich wusste, seit langem ihr Traum.

Ich sagte: "Hast es also geschafft, machst einen Salon auf." Sie antwortete: "Wie kommst du denn darauf, woher sollte ich das Geld haben?" Im Lotto hatte sie also nicht gewonnen, und ich sagte: "Verrate es mir." Sie setzte sich theatralisch auf der Couch zurecht und sprach langsam und bedeutungsvoll die Worte: "Du wirst Vater. Ich bekomme ein Kind von dir." Ich sagte zunächst nichts, sondern blickte stumm und entsetzt vor mich hin. "Freust du dich denn gar nicht?", wollte sie wissen, und ich antwortete, ob das ihr Ernst sei, was sie mir eben gesagt hätte, und sie nehme doch die Pille, und außerdem machen wir es mit Kondomen. "Tja, da muss irgendetwas schief gelaufen sein", meinte Roswitha.

Ich erklärte ihr, dass wir beide kein Kind gebrauchen könnten, aus beruflichen Gründen nicht und aus finanziellen schon gar nicht. Sie sei ja gewiss nicht im dritten Monat und wisse, was sie zu tun habe. "Da irrst du dich gewaltig", sagte sie und fügte hinzu: "Ich will ein Kind." Dann stand Roswitha auf und meinte: "Ich gebe dir vierundzwanzig Stunden Zeit, mal sehen, wie du dich entscheiden wirst. Vielleicht wäre eine Ehe das Beste für uns beide, für das Kind sowieso. Egal, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, Zwillinge sind in unseren Breitengraden ja auch vorstellbar." Dann ging sie siegesgewiss zur Tür und verabschiedete sich mit einem flüchtigen Kuss.

Leider hatte ich keinen Alkohol zu Hause, meine Laune war jedenfalls dahin. Was ist das für eine Frau, dachte ich bei mir, sie versucht es mit allen Mitteln. Ich nahm mir vor, die Angelegenheit erst einmal auf die lange Bank zu schieben, denn ich vermutete hinter der angeblichen Schwangerschaft einen Trick, eine Lüge. Ich nahm mir fest vor, die Frist verstreichen zu lassen und sie am nächsten Abend nicht anzurufen.

Ich möchte nicht, dass mich der Leser nur als Schürzenjäger sieht, ich machte mir schon Gedanken, wer von den fünf Personen weiblichen Geschlechts die Frau fürs Leben sein könnte. Leider gibt es sofort eine Einschränkung. Für Frauen war wichtig, wenn es schon mit der Liebe auf den ersten Blick nicht klappte, was der Mann finanziell zu bieten hat. Welche Frau möchte nicht einen reichen Mann? Als Computerspezialist hatte ich einen festen Job, aber zu holen war bei mir nicht viel. Ich war zwar großzügig, musste mein Geld aber auch zusammenhalten.

Gehen wir mal die Reihe durch, ohne dass ich Zahlen hinzufügen will, ich rechne jetzt von eins bis fünf. Barbara war Witwe und wollte es offensichtlich bleiben, auch wäre es mir unangenehm gewesen, die Frau meines besten Freundes zu heiraten, unser Eheleben wäre von ihm überschattet worden. Roswitha war zwar frei und attraktiv, aber zu herrisch, und ich spürte, dass ich trotz aller Bemühungen, mit oder ohne Kind, meinerseits der Unterlegene sein würde. Die Russin Irina hatte im Vergleich zu uns Deutschen eine andere Mentalität, romantisch-verträumt, brachte deswegen für die harte Realität in der Zeit von Wirtschaftskrisen nicht die richtige Einstellung und Energie mit. Zur Studentin Regina trennte mich ein Unterschied von zwanzig Jahren, was heute zwar üblich ist, aber sie wollte doch nur reichlich Kohle, schöne Kleider, ein leichtes Leben. Blieb die verheiratete Katharina, die sich auf keinen Fall von ihrem reichen Mann trennen würde, selbst wenn ich der Bessere im Bett war.

Mit anderen Worten, wenn ich es mir recht überlege, hatte ich, wenn es sich um eine echte Liebesbeziehung von Dauer handeln sollte, daneben gegriffen. Ich weiß nicht, warum Prominente wenige Monate nach ihrer Scheidung schnell wieder die große Liebe finden, ich nehme es ihnen nicht ab. War es nicht vielmehr so, dass es in unserer Wohlstands- und Ellenbogengesellschaft nicht leicht fiel, den richtigen Partner zu finden? Es gab auch andere Möglichkeiten, man konnte schwul oder lesbisch sein oder es mit sich allein treiben. Ein Bekannter sagte einmal zu mir: "Mancher findet sein Leben lang nicht den richtigen Partner." Hoffentlich hat er mich nicht gemeint.

An einem Sonntag, es war blauer Himmel, setzte ich mich in mein Auto und fuhr allein an die Ostsee. Ich wollte Abstand gewinnen. In knapp zwei Stunden war man schon vor Rostock, fuhr die Bäderstraße entlang zu Fischland, Darß und Zingst. Ich ging an der Ostsee spazieren und wollte meinen Kopf frei bekommen. War ich wirklich ein Sexprotz, hatte ich mich übernommen, meine Rolle als Frauentyp überschätzt? Hatte ich den Sinn des Lebens verkannt? Ich nahm nicht einmal, ungewöhnlich für mich, die sonnengebräunten Frauen in ihren Bikinis wahr. Als ich aufs Meer hinausschaute, hatte ich plötzlich die rettende Idee. Ich nahm mir vor, mit allen fünf Frauen nach und nach ein klärendes Gespräch zu führen. Dieser Gedanke faszinierte mich dermaßen, dass ich mich sofort in mein Auto setzte und zurückfuhr. Leider geriet ich vor Berlin in einen endlosen Stau. Jetzt hatte ich genügend Muße, mir einen Zeitplan vorzunehmen, die Reihenfolge für Gespräche mit meinen so unterschiedlichen fünf Damen festzulegen. Ich war mir selber nicht ganz im Klaren, was hinter meiner Idee steckte. Wollte ich die Bekanntschaften nach und nach beenden, weil sie mir plötzlich wie Zwänge erschienen statt sexuelle Befriedigung zu verschaffen? Wollte ich kein deutscher Casanova mehr sein?

Hier bin ich schon ziemlich am Ende der Geschichte angelangt. Die Sache erledigte sich von selbst, innerhalb einer Woche hatte ich alle fünf Frauen verloren.

Ich wollte zuerst mit der Studentin Regina (Nr. 4) sprechen. Ich rief sie an, aber zu ihrer Handynummer gab es trotz vielfacher Versuche keine Verbindung. Wahrscheinlich hatte sie sich eine neues Handy zugelegt, um unliebsame Kunden mit Sonderwünschen abzuschütteln. Ihre Adresse hatte ich bekanntlich nicht. Aus!

Ich fuhr zu Irina (Nr. 3), sie wies mich überraschenderweise schon an der Tür ab und ließ mich gar nicht erst in die Wohnung. Sie sagte, sie lebe jetzt mit einem Landsmann zusammen, schon tauchte eine kräftige Männergestalt hinter Irina auf. Ich machte mich aus dem Staube und rannte ohne Worte des Abschieds die Treppe hinunter. Das Wort "Poka" hatte ich für umsonst gelernt. Aus!

Tagelang wartete ich auf einen Anruf von Katharina (Nr. 5), leider vergeblich. Ich konnte mir denken, dass ihr eifersüchtiger Mann tatsächlich einen Privatdetektiv angeheuert hatte, der die Ehefrau auf Schritt und Tritt verfolgte. Ich nahm es mit Galgenhumor, stellte mir vor, wie sie bei einer letzten Begegnung an meiner Wohnungstür gesagt hätte: "Schade um deinen schönen Schwanz." Aus!

Blieben noch Roswitha (Nr. 2) und Barbara (Nr. 1). Ich war sehr erleichtert, als das Telefon klingelte und ich die Stimme von Roswitha hörte. Ich war verblüfft, sie wirkte sehr arrogant, machte sich über mich lustig und spottete über meinen vermeintlich zu kurzen Pimmel. Ich nahm an, sie war betrunken. Aber sie sagte mit klarer Stimme und machte nach jedem Wort eine kleine Pause: "Rutsch mir den Buckel runter." Dann legte sie sofort auf, ohne dass ich ein einziges Wort erwidern konnte. Sie war endgültig enttäuscht und beleidigt, weil ich ihr während der Zeit unserer Bekanntschaft keinen Heiratsantrag gemacht hatte. Aus! Ich war wie versteinert und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich stellte mir eine Flasche russischen Wodka auf den Tisch, es war ein Geschenk von Irina, denn die Sorte schmeckte mir inzwischen. Ich geriet etwas in Panik und trank entgegen meinen Gewohnheiten die Flasche leer, mit Wurst und Brot als Beigabe, ohne das Gefühl zu haben, betrunken zu werden. Trunkenheit stellte sich nicht ein, weil mein Gehirn viele Gedanken zu verarbeiten hatte, die mich noch in der Nacht beschäftigten.

Die nächsten zwei Tage war ich tatsächlich mal dienstlich verhindert und musste meinen Chef zu Verhandlungen in eine andere Stadt begleiten. Als wir zurück waren, rief ich sofort Barbara (Nr. 1) an, aber sie meldete sich nicht. Ich fuhr zu ihr in die Wohnung, klingelte wie verrückt, denn ich hatte vor Aufregung die Schlüssel vergessen, aber ohne Erfolg. Dafür öffnete sich die Tür der Nachbarin, und sie sagte: "Hier wohnt niemand mehr. Wissen Sie denn nicht, dass die Frau Selbstmord begangen hat?" Aus! Ich lehnte mich ans Treppengeländer und musste erst einmal tief durchatmen. Ich war niedergeschlagen, dass Barbara es nicht geschafft hatte und dass ich offensichtlich nicht helfen konnte. Ich wünschte mir, dass sie mir im Himmel keine Vorwürfe macht. Jeder Mensch muss sein eigenes Leben führen, seine eigenen Entscheidungen treffen.

Ich nahm mir vor, dieses Haus nie wieder zu betreten, auf meine Koffer mit den gebügelten Hemden konnte ich verzichten. Ich war wieder Single, fühlte mich sogar erleichtert, dass sich meine Fünfer-Beziehung auf so schnelle Weise erledigt hatte. Ich war mir sicher - nach einer gewissen Zeit des Abstands und der Besinnung würde ich neue Frauenbekanntschaften suchen. Auch möchte ich meinen Muskel bis ins hohe Alter trainieren. Ob ich aber wieder so schnell pro Woche ein bequemes Sexleben mit drei bis fünf verschiedenen Frauen führen könnte, und ob ich das überhaupt wollte - ich hatte meine Zweifel.

ENDE


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