Werner Pfelling
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Vater-Tochter-Gespräche
Von A wie Ärzte bis Z wie Zigarette


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Neuste


„Papa, du hattest 74. Geburtstag. Wie fühlst du dich?“
„Es geht noch. Ich habe jetzt viel Zeit, über mein Leben nachzudenken.
1955, 2 Jahre nach Stalins Tod, sollte ich als Abiturient in Leningrad bildende Kunst studieren. Ich wollte das nicht. Im Ministerium für Volksbildung sagte man mir, ich stehe auf der Liste und soll mitfahren. Ich entschied mich im Zug für Theaterwissenschaft, denn ich hatte auf der Oberschule im Laienspiel mitgewirkt. Man hatte in Moskau nichts dagegen und fuhr mich in die Altstadt. Dort gab es ein Internat, dort lebte ich mit russsischen und asiatischen Studenten in einem 5-Bett-Zimmer zusammen. Einmal sagte ein sowjetischer Student zu mir: 'Jetzt studiert der Sohn Hitlers in der Sowjetunion.' Im 5-jährigen Studium wurde viel Fleiß und Disziplin verlangt. Danach bewarb ich mich bei der Tageszeitung Junge Welt. Als ich meine erste Rezension über ein Theaterstück formulierte, fragte mich der Abteilungsleiter: 'Hast du das selber geschrieben?' Ich habe viele Jahre für die 'Junge Welt' Theaterkritiken geschrieben und bin mit meinem beruflichen Lebensweg zufrieden.“

 

„Papa, hast Du den heiteren Text über meinen Sohn Nils fertig?“
„Ja, hier ist er:
Mein Enkel Nils ist erst drei Jahre alt und lernt schon fürs Leben. Ihm sind als Beispiel Besitzverhältnisse verständlich. Im Zug sagt er zu den Fahrgästen: "Das ist mein Kinderwagen." Ihn interessieren auch schon Fremdsprachen. Als er von der russischen Tagesmutter abgeholt wurde, sagte er am Abendbrottisch: "Amen, Amen." Auch biologische Prozesse interessieren ihn. Als ihm seine Mutter ein Foto mit ihm als Embryo zeigte, sagte er: "Hast du mich gegessen?" Nils weiß schon, dass das Leben nicht nur aus Freude und Frohsinn besteht. Ein erstes schmutziges Wort wiederholt er gern: "Kacke, Kacke, Kacke.“



A


Autor und die Frauen
„Papa, Du warst zweimal verheiratet. Nicht sehr erfreulich.“
„Dazu möchte ich nichts sagen.“

„Und die Frauen?“
„Ich bin manchmal zu Tanzveranstaltungen gegangen, um eine Frau kennen zu lernen. Aber es wurde kaum ein festes Verhältnis daraus. In einer Bar sagte mal ein Mann zu mir, offenbar im Hinblick auf die westdeutsche Wohlstandsgesellschaft: Hier suchen sich Partner, die sich durch Gemeinsamkeit ihren Lebensstandard aufbessern wollen. Eine Arbeitskollegin sagte auch mal zu mir, dass sie sich auch in der DDR am westdeutschen Lebensstandard orientieren möchte. Du siehst, dass uns die damalige Bundesrepublik immer im Nacken saß. Die DDR war sicher ein sexfreudiges Land wie überall auf der Welt. Ich kann mich nicht erinnern, damals Kondome benutzt zu haben. Heute ist sicher vieles anders, freizügiger, wozu die Aufklärung und die Sex-Industrie beigetragen haben.“

„Anne, Du bist 25 Jahre alt. Möchtest Du heiraten und mal Kinder haben?“
„Früher wollte ich nie heiraten, jetzt wo ich den Richtigen gefunden habe schon! Da ich nie eine große Familie hatte, außer Dir und Mutti, möchte ich jetzt endlich eine eigene Familie gründen. Ich will doch später mal meine Enkelkinder verwöhnen können und ihnen von meinem Vater erzählen, dem berühmten Autor von Kurzgeschichten.“

Auto-Witz
Neulich sprach Werner Pfelling mit seiner Tochter Anne (24) über die teure Autoreparatur für seinen Golf und erinnerte sich an seinen hellgrünen Trabant und einen DDR-Autowitz:
Warum wird der Trabant nicht in schwarz ausgeliefert? Damit man ihn nicht mit einem Mercedes verwechselt.

Ärzte in der DDR
„Papa, warst Du mit den Ärzten in der DDR zufrieden?“
„Sie haben geholfen. Allerdings hatte ich mehrmals schwere schmerzhafte Koliken, wie sich herausstellte wegen Nierensteinen, ich hatte kein Durstgefühl. Damals haben die Ärzte nicht wie heute gesagt, dass man am Tag mindestens zwei Liter Wasser trinken soll. Eine Ärztin sagte die weisen Worte zu mir: Wenn der Mensch reich ist, ist er es an Steinen. Eine Berliner Zahnärztin schien mir boshaft. Als ich als Moskauer Korrespondent der Jungen Welt in der DDR-Hauptstadt im Urlaub war, ging ich wegen Zahnschmerzen in ihre Sprechstunde. Sie sagte: Lassen Sie sich doch in Moskau behandeln, dort werden Ihnen Hammer und Sichel auf die Plombe eingraviert.“

B


Beste Anekdote
„Papa, Deine autobiografischen Erinnerungen ‚DDR- Es war einmal’ enthalten auch Anekdoten. Welche gefällt Dir am besten?“
„In Frankfurt/Main soll einmal eine Prostituierte im Mercedes einen Mann angesprochen haben, damit er sich zu ihr ins Auto setzt. Der Mann, ein Schauspieler wegen eines Gastspiels mit einem Ostberliner Theater in der Stadt, zierte sich und sagte: Ich bin aus der DDR. Daraufhin meinte die Frau: Bumsen habt ihr doch nicht verlernt.“

Bundespräsidentin?
"Papa, was meinst du zu Gesine Schwan?" "Horst Köhler ist doch ein guter Bundespräsident. Wozu eine Gegenkandidatin der SPD? Alles Wahlkampfmanöver. Hauptsache ich bekomme 1,1 % mehr Rente."

D


Das beste Cover?
"Anne, Du hast schon ein halbes Dutzend Cover zu meinen Kurzgeschichten gestaltet, Dich von allein in die grafische Angelegenheit hineingefunden. Was meinst Du: Welches Cover von Dir trifft am ehesten den Inhalt eines meiner Bücher?" -
"Der Mann mit dem Tick! Das Männchen sieht wirklich so aus, als hätte es einen Tick."
Mehr zum Buch hier!

DDR-Schriftsteller und die SED-Politik
„Papa, hast Du wieder ein Buch gelesen?“
„Ja: ,Die Sache und die Sachen’. Die Literaturredakteurin der Berliner Tageszeitung Neues Deutschland hat ein 230-Seiten-Interview mit dem Schriftsteller Hermann Kant (Die Aula, Der Aufenthalt), geführt. Dort geht es u.a. um die Querelen von DDR-Schriftstellern mit der SED. Am 7. Juni 1979 wurden neun Autoren aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen, weil sie in einem Offenen Brief an Erich Honecker geschrieben hatten, dass sie sich in der DDR unterdrückt fühlen. Kant war damals Präsident des Schriftstellerverbandes und äußert sich zu seiner Verantwortung. Erschienen im Verlag Neues Deutschland und das Neue Berlin, 14.90 Euro. Du siehst, nicht nur ich fühlte mich bevormundet, wie meine allerdings späte Erkenntnis erst nach der Wende 1989 ergab.“

Deutsche Sprache - schwere Sprache
"Papa, was hälst Du von der neuen deutschen Rechtschreibung?" -
"Nicht viel. In der DDR habe ich als Journalist drauflos geschrieben, hatte nicht mal einen Duden im Schreibtisch. Heute muss ich ständig in Büchern nachschauen: Wird das Wort groß, klein, zusammen oder auseinander geschrieben. Warum gibt es manchmal zwei erlaubte Varianten - Albtraum oder Alptraum? Fühle mich beim Schreiben ständig unsicher. Das nervt. Und was meinst Du?" -
"Eigentlich war ich noch in der Schule, als die neue Rechtschreibreform eingeführt wurde. Trotzdem bin auch ich immer unsicher."

Deutschland heute
„Papa, wie gefällt es Dir in der Bundesrepublik Deutschland?“
„Das ist ein weites Feld. Die Politik klammern wir mal aus. Das war damals ein spannender Vorgang in meinem Leben, Bundesbürger zu werden. Anders als in der DDR kann man in der Bundesrepublik ohne große Bevormundung leben. Mal sehen, was die Ausspionierung von Computer-Daten durch Trojaner von Herrn Schäuble bringt. In der BRD kann man denken, was man will. Zur Reisefreiheit braucht man allerdings Geld. Nach dem Mauerfall 1989 fiel mir auf, dass man offenbar in der Bundesrepublik nicht unbedingt arbeiten muss, überall viel Leute auf den Straßen, in den Kaufhäusern. Inzwischen kotzen mich die blöden Sprüche an, als könnte man im Fernsehen jede Woche ein Haus von einer Million Euro gewinnen, bei Dutzenden Werbekampagnen 100 000 Euro oder wenigstens ein Auto. Warum erhalten Arbeitslose nach 50 Bewerbungen keine Antwort? Das ist eine Gesellschaft, in der man nicht die Wahrheit sagt, Heuchelei herrscht, und die Politiker dulden das. Ich habe schlechte Erfahrungen mit Verlagen, Redaktionen und Theatern gemacht. Überall Kommunikationsunfreundlichkeit, Arroganz und Ignoranz. Und das große Zauberwort ist Geld. Wenn ich meine Texte anbiete, soll ich Geld bezahlen. Für meine Ware geistigen Eigentums?"

Deutsches Fernsehen niveaulos?
„Papa, was sagst du zum spektakulären Auftritt von Reich-Ranicki in der letzten Sendung mit Thomas Gottschalk. Er sagte:Widerwärtig! Nicht zu ertragen! Blödsinn!.“
Kein Fernsehsender der Welt kann jeden Abend die hohen Qualitätsansprüche des Literaturkritikers erfüllen. Ich habe in letzter Zeit Sendungen über verschiedene Landschaften der Erde gesehen. Naturaufnahmen und über das Leben seltener Tierarten. Das hat mich mehr berührt als eine übliche Comedy-Show.“

Die deutsche Psyche
„Papa, liest Du Bücher?“
„Wenig. Ich habe jetzt eine zerfledderte Ausgabe von Maxim Gorkis Roman ‚Meine Kindheit’ aus dem Regal geholt, erschienen 1946 im Verlag der sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland. Mich hat als Jugendlicher das Buch über die Lebensverhältnisse des russischen Volkes im vorrevolutionären Russland sehr beeindruckt.
Kürzlich habe ich das Buch ‚Die deutsche Psyche’ von Klaus-Uwe Adam gekauft, erschienen im Verlag Patmos. Sehr aufschlussreich. Im Covertext heißt es, dass bei den Deutschen das Denken überbetont und das Fühlen unterentwickelt ist. Der Autor schreibt: ‚Wir neigen zum Problematisieren und sehen oft Schwierigkeiten und Hindernisse, wo keine sind. Wir sind verzagt und geradezu depressiv, neigen zum Lamentieren und zu Selbstmitleid. Wir sind uns selbst im Wege.’ Und welche Bücher liest Du?“
„Zurzeit leider nur Fachbücher für meine Diplomarbeit, aber ich liebe Bücher, die im Mittelalter spielen und die damalige Welt beschreiben. Vor allem interessiert mich das Thema Medizin mit den alten Praktiken und der damalige Stand der Wissenschaft.“

Die redefaulen Ärzte
"Papa, was macht Deine Gesundheit?" -
"Es geht. Mein Urologe führt oft das Wort Prosatata bedrohlich im Munde. Der Allgemeinarzt beantwortet meine Fragen kurz und bündig: Ja. Auch. Alles. Erst mal abwarten. Die Zahnärztin hat an mir noch nichts verdient. Meiner Augenärztin sagte ich, meine Lebensgefährtin leidet an grünem Star. Sie meinte: Die Frau können Sie behalten".

Die verlegene Antwort
"Papa, woher nimmst Du die Anregungen für Deine über 25 Kurzgeschichten?" - "Das weiss ich nicht genau. Ich schöpfe Anregungen aus den Verhaltensweisen von Menschen in dieser Gesellschaft. Vielleicht hilft mir das Erlebnis von vielen Theateraufführungen und Spielfilmen in meinem Leben bei der Gestaltung".

Die vielen Fernsehsender
„Papa, machst Du jeden Abend den Fernseher an?“
„Für die ‚Tagesschau’ schon, auch oft für Fußballspiele. Ich schaue nur, wenn mir langweilig ist. Aber man kann sich auch bei Sendungen wie ‚Wetten, dass…’ langweilen.
Und Du?“
„Seit der Erfindung des Internets und der Flat rate, sehe ich kaum noch fern. Zumal im deutschen Fernsehen die Volksverdummung eingesetzt hat. Wirklich anspruchsvolle und weiterbildende Sendungen sind zumindest auf den üblichen Sendern kaum noch zu finden.“

Diplomarbeiten
"Papa, ich bin mitten in meiner Diplomarbeit über ein Tourismusmarketingkonzept für den Geopark Eiszeitland am Oderrand. Worüber hast Du damals Deine Diplomarbeit geschrieben?"
Das war 1960 am Moskauer Theaterinstitut. Ich beschäftigte mich mit dem deutschen Schauspieler und Regisseur Max Reinhardt, mit seiner Glanzzeit von 1894 - 1914. Wenn ich die 61 Seiten heute lese, dann denke ich, das muss ein Anderer geschrieben haben. Ich las damals offenbar viele Bücher, Artikel und Rezensionen, um mir ein Bild über Reinhardt zu machen, vor allem über seine üppigen Shakespeare-Inszenierungen am Deutschen Theater Berlin. Das hat funktioniert, deshalb wollte ich später Theaterkritiker werden, und das ging in Erfüllung. Als ich die Diplomarbeit schrieb, sagte jemand im Berliner Kulturministerium: Wenn er sich das zutraut. Schließlich habe ich mit Auszeichnung bestanden".

Diplomarbeit fertig
"Anne, Deine Diplomarbeit ist fertig. Wie fühlst Du Dich? Hat die Arbeit einen praktischen Nutzen?"
"Ich fühle mich erleichtert und stolz. Das war schon ein Kraftakt und erfordert Disziplin, sich vier Monate mit ein und demselben Thema zu beschäftigen. Die Arbeit hat tatsächlich einen praktischen Nutzen und landet nicht - wie so viele Diplomarbeiten - in einer Schublade. Mein Auftraggeber, den ich für die Arbeit gewinnen konnte, ist bereits begeistert und sieht die Arbeit als wichtige Arbeitsgrundlage für das nächste Jahr."

E


Erstlingsroman
"Anne, habe Dir den Erstlingsroman "Mängelexemplar" von Sarah Kuttner empfohlen.
Was meinst Du?"
"Kuttner hat sehr überschwänglich das Krankheitsbild einer Depression beschrieben, so dass es richtig nachvollziehbar wird. Die Heldin Karo ist mir sehr ans Herz gewachsen, wenngleich Passagen eher langweilig waren. Kein Roman zum verschlingen, aber dennoch empfehlenswert. Wie fandest Du ihn, Papa?"
"Ich bin sehr angetan, wie sehr die Autorin mit der deutschen Sprache spielt!"

Erste Berufserfahrungen
"Anne, nach der Verteidigung deiner Diplomarbeit machst du jetzt einen Minijob. Worum geht es dabei?"
"Ich bin beim Deutschen Institut für Urbanistik tätig, das im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das offizielle Fahrradportal im Internet betreut. Hierfür sammle ich gute Praxisbeispiele der Radverkehrsförderung, überarbeite sie redaktionell und stelle sie schließlich online."
Zum Fahrradportal

Erste Fahrt nach Westberlin
"Papa, in einer Kurzgeschichte von Dir kommt die Berliner Mauer vor. Wie bist Du nach dem Fall der Mauer nach Westberlin gekommen?"
"Das war am 14. November 1989, wenige Tage, nachdem sie durchlässig war. An der Bornholmer Brücke erhielt ich ein Visum des Innenministeriums der DDR in den Personalausweis gestempelt. Es berechtigte sechs Monat lang zur mehrmaligen Ausreise. Hinter der jetzt offenen Grenze standen Reisebusse, und wir Neugierigen wurden kostenlos in die Westberliner City gefahren Bei jedem Besuch drüben gab es zunächst einen Stempel in den Ausweis."
"Papa, warst Du beeindruckt?"
"Nein. Ich war ja schon als Journalist im Westen. In Westberlin fiel mir auf, dass es keine Straßenbahnen gab, unser heiliges Verkehrsmittel im Osten. Heute verkehrt ja eine Linie über die Bornholmer Brücke nach drüben über die Osloer Straße bis zum Virchow-Klinikum."

Erstmals in der Zeitung
"Anne, als in der 'Berliner Woche' ein Artikel mit der Überschrift ' Ein starkes Team' und ein großes Foto von uns beiden erschien - was empfandest Du?"
"Ich war natürlich sehr stolz. Ich war noch nie in den Medien vertreten, bis auf die Veröffentlichung meines Artikels 'Generation Praktikum' in der Zeitschrift Planerin. Aber ich war noch viel glücklicher, dass Du für Deine beiden Bücher in der Öffentlichkeit werben konntest. Ein Internetauftritt reicht allein nicht aus."

Euro 2008
"Papa, hast du die Spiele der Fußball-EM geguckt?"
"Ja, die Deutschen waren stark, sind aber läuferisch und technisch nicht die Besten. Beim Fußball langweile ich mich oft, wenn sich alles im Mittelfeld und kaum in den Strafräumen abspielt, was doch die Würze beim Fußball ist."

F


Film "Operation Walküre"
„Papa, hast du den Film 'Operation Walküre' gesehen?“
„Ja. Er hat mich beeindruckt. Die Handlung im Wehrmachts-Milieu wird ruhig und spannend erzählt, sicher den historischen Tatsachen entsprechend. Tom Cruise spielt überzeugend Stauffenberg, der ein Hitler-Attentat versuchte und hingerichtet wurde. Der Schauspieler meinte, die Amerikaner denken, dass alle Deutschen Nazis waren. Insofern wird der Film in aller Welt davon erzählen, dass es im Nazi-Deutschland einen mutigen Widerstand aufrechter Menschen gegen den Faschismus gab.“

Fußball
"Papa, du verfolgst die Bundesliga. Warum verliert Hertha BSC oftmals ausgerechnet gegen den schwächeren Energie Cottbus?"
"Hertha war schon immer ein mittelmäßiger Club und daran scheint sich auch mit dem neuen Schweizer Trainer nichts zu ändern."

G


Geburtstagsgeschenk
"Liebe Tochter, zu meinem 71. Geburtstag haben dein Mann Torsten und du mir das Buch "Winfried Glatzeder Paul und ich Autobiographie" geschenkt."
"Wie hat es Dir gefallen?"
"Ich habe es mit viel Interesse gelesen. Er spielt ja mit Angelika Domröse die Hauptrolle in dem DEFA-Kultfilm "Paul und Paula". Ich war sehr erschüttert, als ich las, wie man ihn behandelt hat, als er die DDR verlassen wollte."

Gesundheit
"Papa, Du bist 70 Jahre alt geworden. Wie fühlst Du Dich?"
"Das letzte halbe Jahr war wegen meines Bluthochdrucks nicht besonders, hatte viele schlechte Tage, weil ich sehr wetterfühlig bin - trotz der Tabletten. Im Moment fühle ich mich gut. Ich habe Angst vor Hitzewellen. In 80 Jahren, heißt es, ist die Schorfheide in Brandenburg wegen des Klimawandels Wüste. Man muss nur Optimist bleiben. Neulich sagte ein Landvermesser den originellen Satz zu mir: In der Wüste leben auch Menschen."

Goethes „Faust“ und Walter Ulbricht
„Papa, warst Du in Theaterskandale verwickelt?“
„Könnte man fast so ausdrücken. Im Oktober 1968 sagte der Chefredakteur der Jungen Welt zu mir als Theaterkritiker, dass der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht zur ‚Faust’-Inszenierung im Deutschen Theater Berlin meint, sie sei negativ zu bewerten. Ich saß in der Klemme und schrieb, halb im Auftrag, halb aus Überzeugung, mehr oder weniger einen Verriss. Ich fand, ‚Fred Düren spielt einen nahezu verzweifelten Faust, der mehr mit sich selbst beschäftigt und völlig weltfremd ist. Dieter Franke gibt den Mephisto als hilflos tätigen Gesellen, träge und ohne Eleganz’. Dadurch sei für junge Zuschauer kein Zugang zu unserer Nationaldichtung möglich. Als ich eines Tages im Deutschen Theater erschien, waren der Regisseur und der Dramaturg sauer auf mich und gaben mir nicht mehr die Hand. Eines Abends rief der Schauspieler Fred Düren bei mir zu Hause an und fragte, wann ich geboren bin. Ich sagte es ihm, und er legte sofort wieder auf. Ich hatte zum Vergleich eine Inszenierung aus dem Jahre 1949 herangezogen, die ich als 12jähriger kaum gesehen haben konnte. Düren meinte wohl, mich damit bloß gestellt zu haben. Dabei ist es für einen Theaterwissenschaftler legitim, sich über Theateraufführungen frühere Zeiten ein Bild aus Artikeln und Rezensionen zu machen.“

„Papa, konntest Du frei über eine Theaterpremiere schreiben?“
„Ja, es gab selten Anweisungen von oben aus politischen Gründen. Ich war der Vertreter meiner Zeitung und habe nach bestem Gewissen nach einem künstlerischen Urteil gesucht, die Liebe zum Theater und zum Schauspieler vorausgesetzt. Wir werden mal ein paar Rezensionen von mir auf die Homepage stellen.“

H


Habe ich in der DDR gerne gelebt?
„Papa, die SUPER illu fragte, ob ostdeutsche Prominente gerne in der DDR gelebt haben. Was meinst du?“
„Die Äußerungen sind differenziert. Ich habe der DDR viel zu verdanken, durfte als elternloser Jugendlicher kostenlos studieren und Theaterkritiken schreiben. Erst nach der Wende habe ich begriffen, dass ich als Journalist politisch bevormundet wurde. Meine Ideale vom Sozialismus wurden von Politikern missbraucht, die die DDR mit ihrer Sturheit in die Sackgasse geführt haben. Aber man konnte in der DDR ein normales Leben führen. Jetzt lebe ich im Kapitalismus. Ist die Bundesrepublik kein Unrechtsstaat? Hier bereichern sich die Politiker und Manager, ermitteln die Staatsanwälte ständig wegen Korruption und Wirtschaftsmissbrauch. Können Hartz-IV-Empfänger die viel gepriesene Reisefreiheit nutzen? Eine bittere Bilanz meines Lebens.“

I


Idee für die Titelgeschichte
"Papa, wie bist Du denn auf die Idee mit dem spendablen Amerikaner gekommen?"
"Man hat ja im Hinterkopf, dass man sich einen reichen Verwandten in den USA wünscht. Mein Held hat eine deutsche Mutter und liebt Deutschland. Im Alter will er sein Vermögen an bedürftige Deutsche verteilen, und der Ansturm auf die Dollars ist gewaltig. Wenn das ein Lektor eines deutschen Verlages liest, würde er wieder sagen: Kurzgeschichten verkaufen sich nicht. Deshalb ist es besser, dass das Buch im novum Verlag in Österreich erscheint.
Ich hatte auch daran gedacht, dass Frank Zander zu Weihnachten zusammen mit Diakonie und Caritas Gänsebraten an 2000 Obdachlose im Neuköllner Estrel-Hotel verteilt. Deutschland, armes oder reiches Land?"

J


Jahresbilanz
„Papa, was macht dein Buch 'Der spendable Amerikaner'?“
„Der Autorenvertrag läuft bis 2018. Natürlich bin ich mit bisher 10 verkauften Büchern unzufrieden. Die 14 Erzählungen, herausgegeben vom österreichischen novum Verlag, haben einen Pressetext erhalten, das Buch wird auf internationalen Messen ausgestellt, z. B. auf der Leipziger Buchmesse (12.-15.3.09). Ich weiß, wie schwer es ist Bücher zu verkaufen. Im Frühjahrskatalog 2008 des Verlages wurden 160 neue Bücher vorgestellt, darunter meins. Welche Konkurrenz!“

Jahrestag des Mauerfalls - 9. November 2007
"Papa, es ist Jahrestag des Mauerfalls. Was meinst Du?"
"Jeder fünfte Deutsche will die Mauer zurück. Ich nicht. Aber die Angleichung der Lebensverhältnisse dauert und dauert. Viele Ostdeutsche fühlen sich immer noch als Bürger zweiter Klasse, Arbeitsplätze fehlen. Und sie müssen den Spott der westdeutschen Komiker ertragen. Neulich las ich: Die Frauen aus Sachsen-Anhalt arbeiten jetzt an der tschechischen Grenze (also als Prostituierte). Wie geschmackslos! Aber es gibt ja auch Witze über die Wessis. Mein Lieblingswitz geht so: Am Ostseestrand klopft ein Wessi einem Ossi auf die Schulter und sagt:Da vorn geht der Bademeister, der mir heute Morgen das Leben gerettet hat. Daraufhin sagt der Ossi: Ich weiß, er hat sich bei mir schon entschuldigt."

Jazz-Radio Berlin
„Papa, welche Radiosender hörst Du?“
„Am liebsten Jazz-Radio Berlin auf 101,9, auch BB-Radio 88,8 wegen der sachlichen Nachrichten. Viele Sender nennt man ja Dudelsender, weil man die Titel schon 100mal gehört hat. Das muss jeder selber wissen. Ich sollte auch mehr Klassik Radio einschalten. Und wie hältst Du es mit dem Rundfunk?“
„Radio höre ich eigentlich nur morgens im Bad und da eigentlich nur Radio eins. Selten mal Rock FM oder Motorradio, denn die spielen auch meinen Musikgeschmack. Letztlich hört man da aber auch immer dieselben Lieder! Am meisten höre ich meine CDs.“

Jeans in der DDR
"Papa, hast Du in der DDR Jeans getragen?"
"Kaum. Ich kann mich schwer erinnern. Zunächst gab es wohl keine, aber die DDR-Jugend war scharf auf Jeans. In den Westmedien wurde die blaue Baumwollhose als Symbol der Freiheit hochstilisiert, was ich für Unsinn hielt. Es muss ungefähr 1978 gewesen sein. Es hieß, in Dresden sind Flugzeuge aus den USA gelandet, voll gepackt mit Jeans. Wahrscheinlich hat die DDR welche gekauft, um den Bedarf zu decken. Sie wurden in Betrieben und Institutionen verteilt und eines Tages auch in der Redaktion Junge Welt verkauft. Ich habe auch eine Jeans genommen, da war ich schon 41 Jahre alt. Da hast Du wieder das verflixte Problem der Mangelwirtschaft im Sozialismus. Später hat sich das Jeans-Angebot wohl verbessert."

K


Karneval
„Papa, hast du mal wieder Fernsehen geschaut?“
„Ja, die Übertragungen vom Karneval aus Düsseldorf, Köln und Mainz. Die Menschen dort haben eine andere Mentalität, sind locker und lustig, singen die Stimmungslieder kräftig mit. Es gab über die Witze der Komiker viel zu lachen, ich beziehe mich ein. Besonders hat mir folgender Witz gefallen: Zwei Polizisten fahren mit ihrem Dienstwagen an einen Baum. Sagt der eine: So schnell waren wir noch nie am Unfallort.“

Kein Geheimnis mehr
"Papa, auf deiner Homepage steht, dass Deine Kurzgeschichten in Österreich erscheinen. Ein erster internationaler Erfolg, nachdem deutsche Verlage kein Interesse zeigten."
"Ja. Ich bin darüber sehr froh. Ich wollte, dass in einem seriösen Verlag ziemlich am Ende meines Lebens ein Buch erscheint, das auch international vermarktet wird. Du kennst ja die Geschichte: Ein US-Bürger will sein Vermögen aus Liebe zu Deutschland an bedürftige Deutsche verteilen. Der Andrang auf die Dollars ist gewaltig. Bin gespannt, wie die Titelgeschichte ankommt."

Keine Kinokopien?
"Papa, warst du mal wieder im Kino?"
"Nein. Ich würde schon mal wieder einen Film der besseren Sorte sehen wollen. Aber sie werden bei CinemaxX in Berlin Hohenschönhausen nicht gezeigt. Als ich nach den Gründen fragte, hieß es: Es gibt zu wenig Kopien. Stimmt das oder sind anspruchsvolle Filme für die Bevölkerung nicht geeignet?"

50 Kurzgeschichten
„Papa, wie fühlst du dich als Autor von 50 Kurzgeschichten?“
„Schreiben ist mein Hobby im Rentenalter. Es sind Kurzgeschichten über den Alltag. Meine drei Verleger bescheinigen mir, dass ich Geschichten erzählen kann und einen interessanten Schreibstil habe. Aber die Texte sind keine Bestseller. Die Bücher verkaufen sich wenig. Besser sieht es bei den ebooks aus. „Der Mann mit dem Tick“ im ebooks Verlag oder „Mal so, mal so“ und die „Anonymen Alkoholiker“, die auf meiner Homepage stehen, wurden schon vielfach heruntergeladen. Das freut man sich als Autor. Mal sehen, was das neue ebook „Ein Bayer besichtigt die Berliner Mauer“ für 4,00 Euro bei www.new-ebooks.de bringt. Du stellst es ja gerade auf meiner Homepage vor. Ansonsten setze ich große Erwartungen in mein Buch „Der spendable Amerikaner“, das im Februar in Österreich erscheint, weil es im gesamten deutschsprachigen Raum verkauft wird. Mal abwarten. Die Besucher meiner Homepage können es ja schon bestellen.“

L


Lesungen nicht erwünscht
„Papa, hast Du Lesungen gemacht?“
„Nein. In einer Buchhandlung sagte man mir, dafür müsste ich erst in der Lokalpresse bekannt sein. Es kommen in Berlin-Hohenschönhausen wenig Interessierte, man könne auch in Wohnungen lesen. Herr Kahle von der „Berliner Woche“ hat ja dann drei Artikel über Dich und Deine Cover und mich gemacht, aber es hat nichts gebracht.
Es gibt ja auch Lesungen in den Berliner Theater-Foyes. Das Maxim Gorki Theater und die Berliner Volksbühne haben gar nicht erst geantwortet, vom Berliner Ensemble erhielt ich einen Satz, ich hatte die Geschichte vom ,Genussmenschen’ geschickt: Leider kommt sie für eine Lesung bei uns nicht in Frage. Die Dramaturgin gab mit der richtigen Postleitzahl 13051 Dachau an, obwohl ich doch in Berlin wohne. Deutsche Arroganz. Du siehst, es hat für einen unbekannten Autor alles keinen Sinn. Vielleicht haben die Leute in Österreich mehr Spürsinn, wenn dort im Februar meine Kurzgeschichten erscheinen.“

Linke
„Papa, was hältst Du von der Partei der Linken?“
„Nach dem Ende der DDR und der SED habe ich beschlossen, mich politisch nicht mehr zu binden. Sollen die Linken versuchen mitzuregieren. Aber welche Veränderungen wollen sie durchsetzten? Das jetzige Gesellschaftssystem wird kaum etwas zulassen.“

Lob für meine Russischkenntnisse
"Papa, wie warst Du in der Schule?"
"In der Grundschule hatte ich viele Zweien und Dreien. 1947 war ich in der vierten Klasse noch ein ' freundlicher, fleißiger Junge', zwei Jahre später hieß es: Das Verhalten von Pfelling war nicht immer einwandfrei, er störte oft den Unterricht durch sein unruhiges Wesen. Gelobt wurden meine Russischkenntnisse. Vielleicht habe ich das von meinem Vater Alois Kopocek, den ich nicht kenne. Später konnte ich die Sprache in Moskau gründlich erlernen, und die sowjetischen Studenten lobten sogar meine Phonetik."
"Und die Religion?"
"Ich wurde 1942, als ich fünf Jahre alt war, offenbar nachträglich getauft, keine Ahnung. 1951 wurde ich konfirmiert. Aber wegen der atheistischen Erziehung in der Schule bin ich mit 18 Jahren aus der Kirche ausgetreten."

N


Noch-Geheimnis
"Papa, wann lüftest Du Dein Geheimnis, welcher ausländische Verlag Deine neuen Kurzgeschichten veröffentlicht?"
"Ich denke im Dezember, wenn ich die Korrekturabzüge samt Cover und Rückseite des Buches erhalten habe."

Q


Quotenwahnsinn im Fernsehen
"Papa, Du besitzt eine DVD vom Berliner Comedian Kurt Krömer. Siehst Du seine neue Sendung "Die internationale Show" in der ARD?"
"Nein. Sie läuft montags 0.35 Uhr. Da schlafe ich längst. Ich sehe keine Sendungen nach 22 Uhr, höchstens die zweite Halbzeit internationaler Fußballspiele. Also keinen Kerner, Beckmann und keine Will. Der Quotenfimmel bei ARD und ZDF im Kampf um die 20-Uhr-Plätze ist eine schlimme Sache. Es müsste mal ein freiheitliches Fernsehen für alle geben, wo auch ich und viele ältere Leute eine Sendung sehen können, die jetzt offenbar einer geistigen Elite oder Nachtmenschen vorbehalten ist."

R


Reflektion über die DDR
„Papa, was denkst Du überhaupt über die DDR?“
„Ich habe ihr viel zu verdanken. Ich war elternlos und wurde von der DDR zum Studium in die Sowjetunion geschickt. Ich bin meinen Weg gegangen und habe 40 Jahre lang als Journalist ehrliches Geld verdient. Als junger Mensch habe ich damals die sozialistische Ideologie angenommen. Erst viele Jahre später kamen Zweifel, störte mich die Bevormundung, weil ich kaum eigene Ideen einbringen konnte, weil die SED-Linie der vorgegebene Maßstab war. Aber ich habe nie daran gedacht, einen Ausreiseantrag zu stellen. Ich war ein DDR-Bürger, auf den man sich verlassen konnte, auch wenn man ihn mal ins kapitalistische Ausland schickte. Vielleicht war ich zu brav, wie ich am Ende feststellen musste. Im Grunde meine ich, dass mich die führenden DDR-Politiker betrogen, meinen Glauben an eine sozialistische Gesellschaft zerstört haben. Sie haben am Volk vorbei regiert. Das ist eine bittere Erkenntnis, obwohl man ansonsten, wenn man kein Gegner war, in der DDR ein normales Leben führen konnte, bei Verzicht auf gewisse Konsumartikel, aber auch mit Reisen ins sozialistische Ausland. Ich bin mit Deiner Mutter mit dem Trabant ohne Panne bis an die bulgarische Schwarzmeerküste gefahren und wieder zurück.“

Reisen in den Westen
"Papa, wieso durftest Du als junger Mann in der DDR in den Westen reisen?"
"Ich war sogenannter Reisekader wie vielleicht noch die Sportjournalisten der Jungen Welt. Ich hatte wohl das Vertrauen des Chefredakteurs und der anderen Leute oder Behörden, die hinter ihm standen. Ich durfte in den 70er Jahren einige Male in den Westen reisen, ich war in der Bundesrepublik, in Frankreich, England, Irland und Jugoslawien als Journalist oder Berichterstatter wie bei Gastspielen des Berliner Theaters der Freundschaft. Ich hatte nie die Absicht, im Westen zu bleiben, fühlte mich als 'Kind der DDR', wie auch mein erster Buchtitel hieß."

Rock 'n' Roll
"Papa, warst Du in Deiner Jugend ein Rock 'n' Roll-Fan?" -
"Nein. Das ist in den fünfziger und sechziger Jahren in Moskau und Berlin an mir vorbei gegangen. Wegen des Eisernen Vorhangs und der geringen Musikimporte der DDR waren das für mich böhmische Dörfer. Heute ziehe ich mir die CDs und DVDs von Elvis Presley, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins rein. Auch der Blues von Ray Charles gefällt mir. Diese Musik verbessert meine Laune."
Ich besitze noch Schallplatten der DDR-Firma Amiga: The Beatles, Benny Goodman, Duke Ellington, Louis Armstrong. Aufgehoben habe ich die Schallplatten mit Kenny Ball und der Chris Barber Jazz Band, die in der DDR-Hauptstadt gastierten. Als ich 1974 mit einer FDJ-Reisegruppe in London war, kaufte ich eine Schallplatte mit Bill Haley, die mir der DDR-Zoll nicht abgenommen hat. Es lebe Rock 'n' Roll!"

S


Schreibpause
"Papa, warum willst du eine Schreibpause einlegen?"
"Ich habe in den letzten Jahren 50 Kurzgeschichten geschrieben. Viele wurden im Berliner NORA Verlag, im Novum Verlag in Österreich und im Internet Verlag new-ebooks verkauft. Aber es wurde wenig gekauft. Ein Kenner schrieb mir, der Buchmarkt ist unberechenbar. Es gibt den Spruch: Jeder Affe schreibt ein Buch.
Man muss für jedes Manuskript bezahlen. Es handelt sich um sogenannte Selbstverlage, die Dienstleistungsunternehmen sind. Sie haben keine Leser, sondern drucken für den Eigenbedarf. Das geht ins Geld.
Ich will weiterhin meine Kurzgeschichten auf meiner Homepage anbieten. Bisher wurden 6 Texte angeboten und 393 herunter geladen.
Ich biete jetzt an: "Bin ich ein Mörder?".

Sieben Haustiere
„Anne, warum hast Du zusammen mit Deinem Verlobten eigentlich sieben Haustiere in der Wohnung? Das schien mir schon immer zu viel zu sein. Erkläre mir das mal.“
„Leider sind es nur noch sechs. Ein Vogel ist leider weggeflogen. Die Tiere sind mein Ausgleich zur Stadt. Wenn man in Berlin groß wird, in Lärm, Dreck und vollbetonierten Umfeld, sehnt man sich nach etwas Natur. Der Park nebenan reicht da bei weitem nicht aus. Es sind doch auch nur kleine Tiere (Vögel, Meerschweine und ein Hund), die allemal in eine 70qm-Wohnung passen.
Mein Traum nach Hühnern und richtigen Schweinen steht noch in weiter Ferne!“

Spielfilmredakion des DDR-Fernsehens
„Papa, aus Deinen schriftlichen Aufzeichnungen geht hervor, dass es Dir als Mitarbeiter der Spielfilmredaktion beim DDR-Fernsehen in Berlin-Adlershof nicht sehr gefallen hat.“
„Das stimmt. Es war schwierig, sich in die Filmmaterie einzuarbeiten. Die Aufgabe bestand darin, die Kontrolle über Filme der DEFA oder aus dem Ausland auszuüben, sie für die Sendung im Fernsehen vorzubereiten. Viel technischer Kram. Wir hatten ja damals zwei Fernsehprogramme. Dabei wurden in den letzten Jahren der DDR aus politischen Gründen von der Leitung Schnitte angeordnet, also Eingriffe in ein künstlerisches Werk. Als alles zusammenbrach, habe ich dann auch auf einer Versammlung gesagt, dass man mir in Moskau bei meinem Studium der Theaterwissenschaften eigentlich die Achtung vor Kunstwerken beigebracht hat. Eine Kollegin meinte damals: Das war deutlich. Ich ließ mir einen Bart wachsen, und die Chefin fragte nach den Gründen. Ich sagte ihr: Als Schutz gegen gewisse Leitungsmethoden. Darauf antwortet sie: Das wird Dir auch nichts nützen.- So waren damals die Verhältnisse.“

Stasi
"Papa, warst Du bei der Stasi?"
"Nein, auf keinen Fall. Es kam mal in den 70er Jahren ein Bekannter, den ich von der Oberschule kannte, in die Redaktion Junge Welt und wollte mich als hauptamtlichen Mitarbeiter gewinnen. Wegen meiner Leitungsfunktionen nahm er Gott sei Dank! davon Abstand. Ich habe übrigens bis auf einen Fall, der weit nach der Wende 1989 in der Presse bekannt wurde, nie erfahren, wer die Stasi-Zuträger bei der Presse oder im Fernsehen neben mir waren."

U


Urteil der Verlage
"Papa, was schreiben denn große Verlage, warum Sie Deine Texte ablehnen?" -
" Entweder sie antworten gar nicht erst, oder es passt nicht ins Verlagsprogramm, was kein Werturteil sein soll. Sie wünschen mir aber Erfolg. Wenn ich das Porto schicke, bekomme ich mein Manuskript sogar zurück".

Überlange Filme
„Papa, gehst Du oft ins Kino?“
„Nein. Es ist wie mit allen Dingen im Kapitalismus – es gibt ein Überangebot. Außerdem meinen die Regisseure heute, dass sie mindestens zwei Stunden für ihre Geschichten benötigen. Bei Spitzenfilmen wie „Das Leben der Anderen“, mit einem Oscar geehrt, hält man das schon mal durch.
Und Du?“
„Ich gehe eigentlich gern ins Kino, aber die Kinokarten sind so teuer, dass ich lieber warte und mir die Filme dann auf DVD anschauen. Die leihe ich mir (meist Horrorfilme) in der Videothek aus.“

V


Veröffentlichung der Diplomarbeit
"Anne, du hast ja auch ein Buch veröffentlicht, dicker als meins, über 200 Seiten. Erzähle mal."
"Ja, lieber Papa, ich habe meine gut benotete Diplomarbeit an den GRIN Verlag - Verlag für akademische Texte - geschickt, um es als ebook für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Nach sechs Wochen bekam ich eine E-Mail, dass der Verlag meine Arbeit gern zusätzlich zum ebook kostenlos als richtiges Buch veröffentlichen möchte. Das Prinzip funktioniert wie bei Deinen ersten Büchern `book on demand´ also Druck und Lieferung nur nach Bestellung. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt.
Nun ist das Buch mit der ISBN 3-638-90769-4 in über 1000 Online-Buchhandlungen erhältlich."
Hier gehts zur Bezugsmöglichkeit bei www.amazon.de!

Viele Ablehnungen
"Papa, welche deutschen Verlage hatten denn kein Interesse an Deinen Geschichten gezeigt?"
"Darunter sind die Eulenspiegel Verlagsgruppe mit Das Neue Berlin und Edition Ost, die aufbau Verlagsgruppe mit Aufbau, Rütten und Loening, Gustav Kiepenheuer, Aufbau Taschenbuch Verlag. Außerdem Rohwolt , Reclam Leipzig, Goldmann München und Diana Verlag München. Wenn so viele gescheite Lektoren die heiter-ironische Geschichte um einen Mann, der mit zwei Frauen leben will, ablehnen, kann eigentlich auch kein ausländischer Verlag das Büchlein zum Erfolg führen."
"Papa, warten wir es ab."
 

W


Witze
„Papa, worüber hast Du zuletzt gelacht?"
"Über den Dresdner Komiker Olaf Schubert auf seiner CD 'Ich bin bei dir!'. Herrliche Gags über Menschen, den Geschlechtsverkehr und Kinder. Viel geistreicher als Mario Barth, der Witze über menschliche Ausscheidungen macht. “

Wahlen in Bayern
"Papa, was denkst Du über den CSU-Absturz am Wochenende in Bayern?"
"Das interessiert mich wenig. Die Bayern wollen doch offenbar kaum ein Miteinander mit den Menschen aus den neuen Bundesländern. Denke an mein ebook mit der Kurzgeschichte "Ein Bayer besichtigt die Berliner Mauer.""
Als ebook oder pdf für 4,00 Euro erhältlich unter: www.new-ebooks.de

Waisenkind
"Papa, du hattest eine schwere Kindheit. Bist ohne Eltern aufgewachsen. Wie hast du das verkraftet?" -
"Wahrscheinlich habe ich es verdrängt. Zu DDR-Zeiten sagte mal die Kaderleiterin der Redaktion Junge Welt, die wohl gerade meine Personalakte gelesen hatte, auf dem Korridor zu mir: Du armes Waisenkind. Das hat mich sehr verletzt."

Wie die Zeit vergeht
"Papa, Du warst in der DDR 20 Jahre lang Journalist bei der Tageszeitung "Junge Welt". Hast Du Glückwünsche von ehemaligen Kollegen zum 70. Geburtstag erhalten?" -
"Nein. Liegt ja auch schon alles 30, 40 Jahre zurück. Gedacht an mich haben meine beiden Verleger, die Autoversicherung, die Deutsche Bank und eine Apotheke".

Witz
"Papa, hast Du einen Lieblingswitz?"
"Ja.
Ein Wessi geht an unserer Ostsee spazieren und sagt zu einem Ossi: Da vorn geht der Bademeister, der mit heute morgen das Leben gerettet hat. Daraufhin sagt der Ossi: Ich weiß. Er hat sich bei mir schon entschuldigt."

Z


Zweifel und Hoffnung
„Papa, was meinst du, wird dein neuestes Buch 'Der spendable Amerikaner' gut verkauft?“
„Das weiß ich nicht und habe meine Zweifel. Ich erfahre es erst am Ende des Jahres. Das Buch wurde zumindest auf großen internationalen Messen in Leipzig, Frankfurt/Main, Graz und Wien ausgestellt. Aber der österreichische Verlag sprach davon, dass der Buchmarkt heutzutage schwer berechenbar ist. Warten wir es also ab.“

Zigarette
„Papa, ich habe Dich noch nie mit einer Zigarette gesehen.“
„Ich rauche auch nicht. Ich habe aber wie fast alle Jugendlichen in meiner Jugend ab und an mal eine geraucht. Was ist mit Dir, Anne?“
„Nein, ich rauche auch nicht. Habe eigentlich auch nie geraucht, wenn man von dem einen Mal im Ferienlager absieht. Da habe ich einmal gezogen und auf Backe geraucht.“

Zufrieden mit dem neuen Buch?
"Papa, bist du mit deinem Buch `Der spendable Amerikaner`aus dem österreichischen novum Verlag zufrieden?"
"Ja, es macht einen guten Eindruck, auch mit dem Cover-Entwurf von dir. Mal sehen, ob es ein Erfolg wird. Meine früheren Arbeitskollegen kaufen es bis auf zwei drei Ausnahmen nicht. Neid, Missgunst, Altersarmut, Heuchelei... Ich weiß es nicht. Leider ist das Buch auch sehr teuer."

Zum Tode von Ulrich Plenzdorf
"Papa, der Schriftsteller Ulrich Plenzdorf ist gestorben. Hast Du etwas über ihn geschrieben?"
"Ja. Am 25. Mai 1972 erschien in der Jungen Welt meine lobende Rezension über vier Spalten zum Theaterstück 'Die neuen Leiden des jungen W.' Es wurde damals am Landestheater Halle uraufgeführt und brachte das Lebensgefühl junger Menschen in der DDR zum Ausdruck, durchaus etwas provokant. In meinen autobiografischen Notizen steht auch etwas über den DEFA-Film 'Die Legende von Paul und Paula', Plenzdorf schrieb das Drehbuch, und es ist längst ein Kultfilm".

 

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